SALZBURG JOURNAL

Die Salzburger Musikszene: Wer hier spielt und wo

Drei große Institutionen führen ihre Gründung auf dasselbe Jahr 1841 zurück. Daneben steht ein Jazzclub, der 1981 in einem Theaterkeller anfing, und ein Festival, das vier Tage lang gratis in der Altstadt spielt.

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Die Salzburger Musikszene: Wer hier spielt und wo

Drei Institutionen, ein Gründungsjahr

Wer die Salzburger Musiklandschaft sortieren will, stößt schnell auf eine Jahreszahl: 1841. Am 22. April dieses Jahres wurde auf Initiative Salzburger Bürger der "Dom-Musik-Verein und Mozarteum" gegründet, der zwei Aufgaben hatte - Konzerte veranstalten und musikalisch ausbilden. Aus dieser Doppelaufgabe sind heute drei getrennte Einrichtungen geworden, die regelmäßig verwechselt werden:

  • Die Stiftung Mozarteum Salzburg - Konzertveranstalterin, Museumsträgerin, Forschungseinrichtung.
  • Die Universität Mozarteum - die Kunstuniversität am Mirabellplatz.
  • Das Mozarteumorchester Salzburg - das Symphonieorchester von Stadt und Land.

Alle drei führen ihre Wurzeln auf 1841 zurück, alle drei tragen Mozarts Namen im Titel, und keine ist Teil der anderen. Wer Karten kauft, sollte also auf den vollen Namen achten.

Die Stiftung Mozarteum

Die Stiftung Mozarteum Salzburg ist eine Non-Profit-Organisation und arbeitet in drei Bereichen: Konzerte, Wissenschaft und Museen. Gegründet wurde der Verein "Internationale Stiftung Mozarteum" am 20. September 1880; schon in den Satzungen stand, dass ein Mozart-Haus für Konzertzwecke samt Bibliothek und Archiv entstehen soll.

Der Grund, warum ausgerechnet Salzburg über das wichtigste Mozart-Material verfügt, ist familiär: Mozarts Witwe Constanze, die ab 1824 in Salzburg lebte, und die beiden Söhne Carl Thomas und Franz Xaver Wolfgang stifteten dem Verein den Großteil ihrer persönlichen Erinnerungsstücke. Franz Xaver verfügte 1844, dass Manuskripte, Fragmente, Mozarts Clavichord und die gesamte Bibliothek an das Mozarteum gehen. Die Stiftung verfügt damit nach eigenen Angaben über die weltweit größte Sammlung an originalen Briefen, Porträts und Instrumenten der Familie Mozart.

Zur Stiftung gehören außerdem die beiden Mozart-Museen - das Geburtshaus in der Getreidegasse 9, in dem schon 1856 zum 100. Geburtstag eine erste Mozart-Ausstellung stattfand, und das Mozart-Wohnhaus -, die Bibliotheca Mozartiana und die Digitale Mozart-Edition. Künstlerischer Leiter ist Rolando Villazón, dessen Vertrag Anfang 2026 bis 2031 verlängert wurde.

Die Stiftung geht mit ihrer Geschichte auch dort offen um, wo es unangenehm wird: Ihre Chronik enthält einen eigenen Abschnitt zur Rolle der Internationalen Stiftung in der NS-Zeit.

Das Stiftungsgebäude und seine zwei Konzertsäle

Das Haus in der Schwarzstraße 26 entwarf der Münchner Architekt Richard Berndl im Stil des Münchner Späthistorismus mit Elementen des Jugend- und Heimatstils. Gebaut wurde von 1912 bis 1914, feierlich eröffnet am 14. September 1914.

Darin liegen die beiden Konzertsäle, die die Stiftung selbst zu Salzburgs schönsten zählt: der Große Saal und der Wiener Saal. Dazu kommen die Bibliotheca Mozartiana, Büros und zahlreiche Unterrichtsräume, die die Universität Mozarteum nutzt - die Trennung der Institutionen ist also organisatorisch, nicht räumlich. In der Villa Vicina nebenan, Schwarzstraße 28, gibt es im Untergeschoß einen weiteren Saal für bis zu 150 Personen.

An der Fassade hängt eine Neonschrift, die die Künstlerin Sylvie Fleury 2005 zum ersten Dialoge-Festival gestaltet hat. Sie basiert auf einer Handschrift Mozarts und wiederholt den Satz: "Ich möchte alles haben, was gut, ächt und schön ist!"

Wissenschaftlich beraten wird die Stiftung seit 1931 von der Akademie für Mozart-Forschung, die bis 2004 Zentralinstitut für Mozart-Forschung hieß. Das erste große Forschungsprojekt liegt noch weiter zurück: Ab 1875 beteiligte sich die Stiftung an der ersten kritisch durchgesehenen Gesamtausgabe der Werke Mozarts, die zwischen 1876 und 1907 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig erschien.

Die Universität Mozarteum

Die Universität Mozarteum am Mirabellplatz 1 ist eine der großen europäischen Kunstuniversitäten. Die Zahlen, die sie selbst nennt:

KennzahlWert
Aktive Studierende2.210
Lehrende550
Departments15
Disziplinen7
Öffentliche Veranstaltungen im Jahrüber 700

Für die Stadt ist die letzte Zeile die interessanteste: Über 700 öffentliche Konzerte, Opern, Theateraufführungen, Ausstellungen und Performances pro Jahr sind mehr, als die meisten Häuser der Stadt zusammen schaffen - und ein großer Teil davon ist frei oder sehr günstig zugänglich. Das Studienspektrum reicht über Musik hinaus: Schauspiel, Regie, Applied Theater, Bühnenbild, Musik-, Tanz- und Kunstpädagogik sowie Open Arts. Neben Salzburg gibt es einen zweiten Standort in Innsbruck.

Die beiden Orchester

Mozarteumorchester Salzburg

Das Mozarteumorchester bezeichnet sich als "das Original seit 1841" und ist das Symphonieorchester von Stadt und Land Salzburg. An seiner Gründung waren nach eigener Darstellung Constanze Mozart und ihre beiden Söhne beteiligt. Es spielt ganzjährig in Salzburg, nicht nur in der Festspielzeit. Büro und Kartenverkauf sitzen in der Erzbischof-Gebhard-Straße 10, Karten unter +43 662 87 31 54.

Camerata Salzburg

Die Camerata Salzburg ist jünger und anders organisiert. Gegründet wurde sie 1952 von dem Dirigenten und Musikwissenschaftler Bernhard Paumgartner als "Camerata Academica" - als Klangkörper von Lehrenden und Studierenden des Mozarteums. Die Idee dahinter: ein Idealklang, der aus der Eigenverantwortung jedes einzelnen Musikers entsteht.

Prägend war Sándor Végh als Chefdirigent von 1978 bis 1997, dessen Credo lautete, jedes Stück wie ein Streichquartett anzugehen. Auf ihn folgten Sir Roger Norrington, Leonidas Kavakos und Louis Langrée. 2016 beschloss das Orchester, ohne Chefdirigent weiterzuarbeiten und die künstlerische Leitung den primi inter pares zu übertragen - den Konzertmeistern Gregory Ahss und Afanasy Chupin, ergänzt um Gastdirigentinnen und Gastdirigenten je nach Repertoire. Heute stammen die Musikerinnen und Musiker aus mehr als 20 Nationen. Die Camerata ist Stammensemble sowohl der Salzburger Festspiele als auch der Mozartwoche; die Saison 2026/27 ist ihre Jubiläumssaison unter dem Motto "Listen more, hate less".

Jazz: das Jazzit

Der Salzburger Jazz hat eine überraschend genaue Geburtsstunde. Am Dienstag, 7. April 1981, fand auf der Elisabethbühne in der Plainstraße 42 das erste Konzert der Reihe "Jazz im Theater" statt - mit dem Doug Hammond Trio, in dem ein damals noch unbekannter Steve Coleman Saxofon spielte.

Aus dieser Reihe wurde ein Verein, aus dem Verein ein Club. 20 Jahre lang spielte "Jazz im Theater" ohne eigene Spielstätte als Gast in Petersbrunnhof, Rockhouse, Mozarteum, Trumer Bierkeller und ORF-Landesstudio. Erst am 15. Februar 2002 eröffnete der Jazzit:Musik:Club in der Elisabethstraße 11, finanziert über eine Vorfinanzierung des Umbaus durch die Privatbrauerei Sigl in Obertrum sowie Mittel von Stadt, Land und Bund. 2004 zählte das Haus rund 20.000 Besucher in einem Jahr; im selben Zeitraum kam der Salzburger Landespreis für Kulturarbeit.

Die Liste derer, die der Verein nach Salzburg geholt hat, steht auf der Clubseite und reicht von Pharoah Sanders und Sun Ra Arkestra über Pat Metheny, Charles Lloyd und John Scofield bis Nubya Garcia und Lakecia Benjamin.

Zwei Dinge lohnen sich zu wissen: Die Jazzit:Sessions in der Jazzit:Bar finden jeden Dienstag statt, Eintritt frei. Und im September läuft das Take the A-Train Festival, 2026 in seiner zwölften Ausgabe.

Rock, Pop, Elektronik und Neue Musik

Für alles jenseits von Klassik und Jazz haben drei Häuser eigene Beiträge:

  • Das Rockhouse im Gewölbe an der Schallmooser Hauptstraße 46 - Konzertsaal, Bar für kleinere Auftritte, sechs Proberäume und ein kostenloses Workshop-Programm.
  • Die ARGEkultur mit bis zu 350 Veranstaltungen im Jahr, darunter Konzerte quer durch die Genres.
  • Die Szene Salzburg, deren Programm Musik regelmäßig mit Tanz und Performance verschränkt.

Für zeitgenössische Komposition steht das œnm - österreichisches ensemble für neue musik, das neben eigenen Konzertsaisonen auch außerhalb der Stadt auftritt, etwa beim Jazzfestival Saalfelden.

Wo man selbst zu spielen lernt

Unterhalb der Universität gibt es eine Struktur, die für die Breite der Szene entscheidend ist: das Musikum, das Landesmusikschulwerk des Landes Salzburg mit Standorten im ganzen Bundesland. Unterrichtet werden Blech-, Holzblas-, Schlag-, Streich-, Tasten- und Zupfinstrumente, dazu Stimme, Gesang und Chorsingen sowie eigene Bereiche für Popularmusik und Volksmusik. Auch Fächer wie Cembalo oder Kontrabass in Jazz und Pop stehen im Angebot - eine Bandbreite, die eine einzelne Musikschule selten abdeckt.

Die vier Termine im Jahr

Vier Zeitfenster verändern das musikalische Angebot der Stadt spürbar:

FestivalTerminAnmerkung
Mozartwoche21. bis 31. Jänner 2027Motto "Mozart & Mozarts", Veranstalterin ist die Stiftung Mozarteum
Salzburger FestspieleJuli und AugustOper, Konzert, Schauspiel
Take the A-TrainSeptemberJazzfestival des Jazzit
Jazz & The City15. bis 18. Oktober 2026Eintritt frei, Pre-Opening am 14. Oktober

Bei der Mozartwoche sind die Ermäßigungen erheblich: Wer unter 27 und in Ausbildung ist, zahlt nach Verfügbarkeit 25 Euro pro Konzert; alle übrigen unter 30 bekommen 50 Prozent auf den Einzelkartenpreis. Ö1-Club-Mitglieder erhalten 10 Prozent, Ö1-intro-Mitglieder 30 Prozent, SN-Card-Inhaber 20 Prozent auf ausgewählte Veranstaltungen. Wahlabos sparen bis zu 20 Prozent.

Jazz & The City ist der Gegenentwurf zum Ticketkauf: Das Festival für Jazz, Global Groove und Electronic Music läuft seit über 25 Jahren mitten in der Altstadt, an großen wie an kleinen Spielorten, und ist nach Angaben der Veranstalterin Altstadt Salzburg komplett gratis - keine Karten nötig. Das Line-up 2026 unter dem Motto "true moments" umfasst unter anderem Yemen Blues, Bab L'Bluz, Andy Sheppard, Myra Melford und Ernst Molden mit den Neuen Wiener Concert Schrammeln.

Stand August 2026. Alle Angaben nach den Websites der genannten Institutionen. Festivaltermine und Ermäßigungen ändern sich jährlich - vor dem Kartenkauf gegenprüfen.

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