SALZBURG JOURNAL

Das DomQuartier: Ein Rundgang durch 1.300 Jahre

1803 wurden die Verbindungstüren zwischen Residenz, Dom und Erzabtei geschlossen. 2014 gingen sie wieder auf - seither führt ein einziger Weg vom Thronsaal der Fürsterzbischöfe bis in den Domschatz.

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Das DomQuartier: Ein Rundgang durch 1.300 Jahre

Was 1803 zugesperrt wurde

Bis zur Säkularisation 1803 war Salzburg ein souveränes geistliches Fürstentum im Heiligen Römischen Reich. Der Fürsterzbischof regierte weltlich und geistlich zugleich - und konnte deshalb trockenen Fußes von seinem Thronsaal in der Residenz über die Dombögen bis auf die Orgelempore des Doms gehen. Für alle anderen war dieser Weg gesperrt.

Mit dem Ende des Erzstifts wurde diese Einheit obsolet. Die Verbindungstüren gingen zu, und über zwei Jahrhunderte lang wuchsen bauliche Barrieren nach. Erst 2014 wurden sie wieder geöffnet: Residenz, Dom und Erzabtei St. Peter schlossen sich zum DomQuartier zusammen. Direktorin Andrea Stockhammer beschreibt das Ergebnis so, dass Besucher heute "wie damals nur der Fürsterzbischof und wenige Auserwählte, von einer Sphäre in die andere wandeln" können.

Vier Institutionen teilen sich den Rundgang: die Residenz mit den Prunkräumen und der Residenzgalerie, das Dommuseum mit der Kunst- und Wunderkammer, die Erzabtei St. Peter mit der Langen Galerie und dem Museum St. Peter, dazu der Dom selbst mit Orgelempore und Nordoratorium. Ein Ticket deckt alles ab.

Die 15 Prunkräume: ein Weg mit Rangordnung

Der Rundgang beginnt im Haupthof mit der dreibogigen Halle, führt vorbei am Herkulesbrunnen - dahinter liegt der fürsterzbischöfliche Fischkalter - und über die Hauptstiege, die Wolf Dietrich von Raitenau um 1610/11 errichten ließ.

Oben folgt die Raumfolge einer französischen Enfilade, geregelt durch sogenannte Kammerordnungen. Das ist die eigentliche Pointe der Prunkräume: Wie weit ein Gast kam, hing von seinem Rang ab.

  • Carabinierisaal - das Entrée, monumentaler Saal für Zeremonien und Feste. Benannt nach der Trabantenleibgarde, die Wolf Dietrich nach dem Vorbild der päpstlichen Schweizergarde gründete; deren Radschloss-Karabiner stehen heute in Vitrinen. Stuck von Francesco und Carlo Antonio Brenno sowie Antonio Carabelli, Deckenfresken von Johann Michael Rottmayr aus der Zeit des Fürsterzbischofs Johann Ernst Graf Thun.
  • Rittersaal, Ratszimmer, Antecamera - die Stationen, die Gesandte, Staatsmänner und Diplomaten auf dem Weg zur Audienz zurücklegen mussten.
  • Audienzsaal - der Höhepunkt für die meisten Besucher. Weiter kam nur, wer ausgewählt war.
  • Retirade, Schreibkabinett, Schlafzimmer - der innerste Bereich der fürstlichen Appartements.
  • Dazu Schöne Galerie, Thronsaal, Weißer Saal (auch Marcus-Sitticus-Saal) und Kaisersaal.

Im Konferenzzimmer gab Wolfgang Amadé Mozart sein erstes Konzert. Fürsterzbischof Franz Anton Fürst von Harrach ließ die Residenz ab 1709 nach dem Vorbild des Leopoldinischen Trakts der Wiener Hofburg modernisieren - von damals stammen auch die Hauptfassade mit dem Portal und die Stuckrahmungen der Fenster des Piano nobile. Für die Innenräume verpflichtete er Rottmayr, Martino Altomonte, Antonio Beduzzi und Alberto Camesina. Der letzte Fürsterzbischof, Hieronymus Graf Colloredo, ließ die Wände dann klassizistisch in Weiß und Gold fassen; die frühklassizistischen Kachelöfen aus den 1770er und 1780er Jahren ersetzten die älteren aus der Harrach-Zeit.

Seit Februar 2021 gehört auch die Privatkapelle von Erzbischof Friedrich Fürst zu Schwarzenberg (1809 bis 1885) zum Rundgang. Sie entstand um 1844, wurde nach Schwarzenbergs Weggang nach Prag profaniert, die Einrichtung eingelagert, die Wandmalereien übermalt - und blieb nur durch Zufall erhalten. Nach monatelanger Restaurierung ist sie wieder zu sehen, ein seltenes vollständiges Beispiel früher neugotischer Raumkunst. Die vollständige Beschreibung steht bei den Prunkräumen der Residenz.

Dombogenterrasse, Orgelempore, Nordoratorium

Zwischen Residenz und Dom liegt die Dombogenterrasse, der einzige Punkt des Rundgangs unter freiem Himmel. Der Blick geht auf Dom- und Residenzplatz, auf die Bürgerhäuser und die Stadtberge - und auf die Domfassade aus einer Nähe, die man vom Platz aus nicht bekommt.

Von der Domorgelempore sieht man in den Innenraum des Doms hinein, der als monumentalster frühbarocker Kirchenbau nördlich der Alpen gilt. Ein praktischer Hinweis dazu: An Wochentagen ist die Empore wegen der "Musik zu Mittag" ab 12 Uhr für rund 45 Minuten gesperrt, sonntags und an Feiertagen während der Gottesdienste. Der Rundgang wird dann über die Domvorhalle ins Dommuseum umgeleitet, die Empore lässt sich danach nachholen.

Im Nordoratorium laufen Sonderausstellungen. Sein östlichster Raum ist das Rupertusoratorium, die 1628 unter Paris Lodron ausgestattete Kapelle des barocken Doms; Hoftischler Simon Claner baute dort ein freistehendes Altarretabel als Rahmen für ein Gemälde vom Tod des heiligen Rupert. Stand August 2026 zeigt das Nordoratorium "LebensKunst. 800 Jahre Franz von Assisi", noch bis 2. November 2026.

Dommuseum und Domschatz

Das Dommuseum liegt im Südoratorium, hoch über den südlichen Seitenschiffkapellen und auf einer Ebene mit der Westempore der großen Orgel. Beide Oratorien sind in vier gewölbte, stuckverzierte Räume gegliedert, der jeweils letzte als Kapelle - im Norden dem heiligen Rupert, im Süden dem heiligen Virgil gewidmet.

Gegründet wurde es erst 1974 und ist damit spät dran: Die ersten Diözesanmuseen Österreichs entstanden um 1890/1900. Landesarchivar Franz Martin hatte schon vor 1920 vorgeschlagen, eines in der Residenz einzurichten; Diözesanarchivar Franz Xaver Traber richtete es kurz vor dem Zweiten Weltkrieg im Blasiusspital ein, konnte aber nicht mehr eröffnen. Johannes Neuhardt zeigte ab 1965 alte Kunst in den Domoratorien und brachte das Museum 1974 zustande. Ihm folgten 1994 Johann Kronbichler, 2002 Peter Keller und seit 2017 Reinhard Gratz.

Die wichtigsten Stücke des Domschatzes, nach der Beschreibung des Dommuseums:

ObjektDatierungAnmerkung
Rupertuskreuzum 750größtes erhaltenes Metallkreuz des Frühmittelalters, Leihgabe der Pfarrkirche Bischofshofen
Doppelarmiges Reliquienkreuzum 1100, Fuß 14. Jh.aus Ungarn, möglicherweise Schwurkreuz der ungarischen Könige
Hostientaube1. Viertel 13. Jh.aus Limoges, hing einst frei über einem Altar
Scheibenmonstranz1596eine der frühesten nördlich der Alpen, unter Wolf Dietrich
Missale Romanum1601/1603emaillierter Silbereinband
Pretiosenmonstranz1697Hofgoldschmied Ferdinand Sigmund Amende für Johann Ernst Thun

Dazu Gemälde und Skulpturen aus Gotik und Barock: die Tafel des Pfarrwerfener Altars (um 1425/1430), die Schöne Madonna aus Radstadt (um 1430/1435), eine thronende Madonna aus dem Umkreis Michael Pachers (um 1495 bis 1500) und eine "Versuchung des hl. Antonius" eines Bosch-Nachfolgers. Der Salzburger Barock ist mit Meinrad Guggenbichler, Georg Raphael Donner, Rottmayr und Paul Troger vertreten; die marmorne Madonna der Kajetanerkirche von Matthias Wilhelm Weißenkirchner (1726) erinnert in ihrer Bewegtheit an Bernini. Einige liturgische Geräte sind übrigens keine Museumsstücke im engeren Sinn - sie werden bei festlichen Pontifikalgottesdiensten weiterhin verwendet.

Die Kunst- und Wunderkammer

Im südlichen Dombogen liegt einer der wenigen Räume Europas, deren historische Kunstkammer-Einrichtung erhalten ist: Marmorboden, stuckierte Gewölbe und Schaukästen stammen aus der Entstehungszeit um 1668 bis 1670.

Die Originalsammlung ging nach 1803 für Salzburg verloren. Die Gründung des Dommuseums 1974 war der Anlass, den Raum anhand der alten Inventare wieder mit dem zu füllen, was hineingehört - Objekte aus dem Kunsthandel, Leihgaben der Erzabtei St. Peter und aus Privatbesitz, zusammengestellt im Sinne einer Universalsammlung des 17. Jahrhunderts. Der Globenschrank ist eines der Schaustücke.

Lange Galerie und Museum St. Peter

Die Lange Galerie ist 70 Meter lang, wurde zwischen 1657 und 1661 unter Guidobald Graf von Thun errichtet und zählt zu den frühesten Galeriebauten nördlich der Alpen. Bis 1803 war sie die Gemäldegalerie der Fürsterzbischöfe, 1819 ging sie an die Erzabtei St. Peter über. Heute hängen dort großformatige religiöse Gemälde aus deren Sammlung.

Am Ende des Rundgangs steht das Museum St. Peter im Wallistrakt, dem ehemaligen Hofbogengebäude. Die Erzabtei - seit der Erneuerung durch Bischof Rupert im Jahr 696 ununterbrochen bestehend und damit das älteste Kloster im deutschen Sprachraum - hat eine Sammlung von geschätzt 40.000 Exponaten. Gezeigt wird eine Auswahl in drei Abteilungen: St. Peter und die Kunst, St. Peter und die Musik, St. Peter in Geschichte und Verfassung.

Zu sehen sind unter anderem das Rupertuspastorale, ein Abtstab aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, ein Messkelch des 12. Jahrhunderts und ein gut erhaltenes Kaselkreuz des 15. Jahrhunderts. Die Prunkstücke ließ Abt Rupert V. Keutzl um 1480 erwerben: eine Mitra mit reichem Edelsteinbesatz, ein passendes Pastorale und die Schließe für den liturgischen Prunkmantel. In der Musikabteilung steht das reich geschnitzte Claviorganum aus dem Besitz Wolf Dietrichs; sie geht auch den Verbindungen der Abtei zu Michael Haydn und Mozart nach. Im dritten Teil erzählen Erzabt und Konventmitglieder in Filmen vom Klosteralltag. Mehr zum Kloster selbst steht bei Stift und Stiftskirche St. Peter, die Sammlungsbeschreibung beim Museum St. Peter.

Die Residenzgalerie - derzeit zu

Ein Teil des Rundgangs fällt momentan weg: Die Residenzgalerie im 3. Obergeschoß ist wegen Baumaßnahmen voraussichtlich bis Herbst 2027 geschlossen. Deshalb gelten Teilbetriebspreise, die bei den Sehenswürdigkeiten in Salzburg im Preisvergleich stehen.

Was einem dabei entgeht: die Gemäldesammlung des Landes Salzburg, 1923 gegründet als Ersatz für die im frühen 19. Jahrhundert verlorenen erzbischöflichen Sammlungen, 1938 geschlossen, am 3. August 1952 wiedereröffnet. Ihr Kern stammt aus der Wiener Adelssammlung Czernin und wurde zwischen 1956 und 1994 erworben - niederländischer Barock mit Rembrandt, Rubens und Brueghel, dazu italienische, französische und österreichische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts sowie Waldmüller, Amerling und Makart aus dem 19. Jahrhundert. Als das Land 1980 mit dem Rupertinum ein eigenes Haus für die Kunst des 20. Jahrhunderts einrichtete, gab die Residenzgalerie ihre Bestände dieses Zeitraums dorthin ab - eine direkte Verbindung zum heutigen Museum der Moderne. Die Sammlung ist online zugänglich.

Zeiten und aktuelle Einschränkungen

Geöffnet ist täglich außer Dienstag von 10 bis 17 Uhr, im Juli und August täglich von 10 bis 18 Uhr, von Dezember bis 6. Jänner täglich 10 bis 17 Uhr. Am 24. Dezember bleibt geschlossen. Letzter Einlass ist eine Stunde vor Schließzeit; das Haus empfiehlt mindestens 1,5 Stunden, besser zwei.

Stand August 2026 kommen mehrere Einschränkungen dazu, die man kennen sollte:

  • An den Tagen der Jedermann-Aufführungen schließt das DomQuartier bei schönem Wetter bereits um 17 Uhr, letzter Einlass 16 Uhr.
  • Die Schwarzenbergkapelle ist vorübergehend geschlossen.
  • Seit 17. August 2026 ist der Museumsshop im 3. Obergeschoß zu; die Dombogenterrasse erreicht man seither nur noch über das Dommuseum.
  • Feste und Konzerte führen an einzelnen Tagen zu weiteren Teilschließungen. Auskunft gibt das Haus unter +43 662 8042 2109 und office@domquartier.at.

Die Jahreskarte kostet 40 Euro, für Familien 60 Euro und mit dem Salzburger Familienpass 45 Euro. Sie bringt neben dem freien Eintritt auch Ermäßigung im Salzburger Freilichtmuseum, im Salzburg Museum, im Keltenmuseum Hallein und im Museum der Moderne - für Familien in Salzburg rechnet sich das schneller als der Einzelpreis vermuten lässt. Alle Konditionen stehen auf der Preis- und Öffnungszeitenseite des DomQuartiers, der vollständige Weg unter Der Rundgang.

Stand August 2026. Alle Angaben nach den Seiten des DomQuartier Salzburg. Bauzustände, Teilschließungen und Ausstellungslaufzeiten ändern sich - vor dem Besuch gegenprüfen.

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