PFAS-Streit: Flughafen Salzburg einigt sich mit Aldi
Der jahrelange Rechtsstreit zwischen dem Flughafen Salzburg und Aldi Süd um PFAS-Bodenverunreinigungen ist beigelegt. Rund zwei Millionen Euro dürften die öffentlichen Flughafen-Eigentümer Stadt und Land Salzburg an den deutschen Diskonter zahlen.
Der Streit um chemische Altlasten im Salzburger Boden ist endgültig beigelegt: Der Flughafen Salzburg und der Lebensmitteldiskonter Aldi Süd haben sich außergerichtlich geeinigt. Nach Informationen aus dem Verfahrensumfeld dürften die Flughafen-Eigentümer rund zwei Millionen Euro an das Unternehmen zahlen - wobei 75 Prozent das Land Salzburg und 25 Prozent die Stadt Salzburg tragen. Beide Parteien haben Vertraulichkeit über die genauen Vertragsdetails vereinbart.
Ewigkeitschemikalie PFAS als Auslöser
Im Zentrum des Konflikts stehen sogenannte PFAS - per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, die im Volksmund als "Ewigkeitschemikalien" bezeichnet werden, weil sie sich in der Umwelt kaum abbauen. Am Flughafen Salzburg wurden diese Substanzen ab den 1960er-Jahren in synthetischen Löschschäumen der Flughafenfeuerwehr eingesetzt. Über Jahrzehnte versickerten die Chemikalien großflächig im Erdreich und kontaminierten das Grundwasser. Das Altlasten-Bundesamt stuft den Flughafen Salzburg als Altlast der höchsten Priorität ein; laut Altlastenkataster umfasst das kontaminierte Untergrundvolumen mehr als 50.000 Kubikmeter und hat eine rund 3,5 Kilometer lange Schadstofffahne im Grundwasserabstrom ausgebildet.
Aldi-Bau in Maxglan durch Altlasten verteuert
Als Aldi Süd ab Oktober 2023 in Salzburg-Maxglan mit dem Bau einer neuen internationalen Konzernzentrale begann, stieß das Unternehmen auf massiv belasteten Untergrund. Die ursprünglich geplante Tiefgarage musste wegen der PFAS-Kontamination aufgegeben werden; stattdessen wird nun ein Parkhaus errichtet. Aldi Süd machte dafür erhebliche Mehrkosten geltend und forderte zunächst 1,8 Millionen Euro Schadenersatz vom Flughafen. Eine zusätzliche Feststellungsklage über weitere zwei Millionen Euro sollte mögliche künftige Schäden absichern - insgesamt stand damit eine Forderung von bis zu vier Millionen Euro im Raum.
Der Flughafen versuchte zunächst, die Ansprüche als verjährt abzuwehren - scheiterte damit jedoch in zwei Instanzen. Sowohl das Landesgericht Salzburg als auch das Oberlandesgericht Linz wiesen die Verjährungs-Argumentation des Airports ab und ebneten so den Weg für Vergleichsverhandlungen. Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) kommentierte die Situation im Jänner 2026 mit den Worten: "Es kann mittlerweile wirklich niemand mehr behaupten, wenn er beim Flughafen in die Tiefe gräbt, dass er von einer Verunreinigung nichts gewusst hat."
Sanierung belastet die Region auf Jahrzehnte
Der außergerichtliche Vergleich schließt den juristischen Streit ab, löst das eigentliche Umweltproblem jedoch nicht. Die laufende Sanierung des PFAS-belasteten Grundwassers kostet den Flughafen - und damit mittelbar die öffentlichen Eigentümer Stadt und Land Salzburg - rund eine Million Euro pro Jahr. Airport-Chefin Bettina Ganghofer hatte bereits 2024 auf die Dimension der Aufgabe hingewiesen: "Dieser Prozess wird nicht nach ein paar Monaten schon abgeschlossen sein, sondern wird über Jahrzehnte weiterlaufen müssen."
Betroffen von der Grundwasserbelastung sind weite Teile des westlichen Stadtgebiets: Die Schadstofffahne reicht von Maxglan über Taxham und Liefering bis nach Lehen. Für die betroffenen Stadtteile und ihre Bevölkerung bleibt die Altlast damit ein langfristiges Thema - weit über die nun erzielte rechtliche Einigung hinaus.