Der Lungau: Biosphärenpark, Burg und dunkler Himmel
Der einzige Salzburger Gau südlich des Alpenhauptkamms ist seit 2012 Teil des größten Biosphärenparks Österreichs - und arbeitet daran, seine Straßenbeleuchtung so umzubauen, dass man die Sterne wieder sieht.
Der einzige Gau südlich des Alpenhauptkamms
Der Lungau liegt als einziger der fünf Salzburger Gaue südlich des Alpenhauptkamms und ist damit klimatisch und kulturell ein eigener Fall. Von der Stadt Salzburg sind es nach Tamsweg, dem Bezirkshauptort, 127 Kilometer und rund 97 Minuten, nach Mauterndorf 116 Kilometer und 89 Minuten. Der Weg führt über die Tauernautobahn und den Tauerntunnel oder über die Katschbergstraße.
Im Lungau leben nach Angaben des Biosphärenpark-Regionalbüros rund 20.100 Menschen auf 1.009,15 Quadratkilometern. Das ergibt eine Bevölkerungsdichte von rund 20 Einwohnern pro Quadratkilometer.
UNESCO-Biosphärenpark seit Juli 2012
Seit Juli 2012 bildet der Salzburger Lungau gemeinsam mit den Kärntner Nockbergen einen UNESCO-Biosphärenpark - den größten von insgesamt vier in Österreich. Der höchste Punkt des Schutzgebiets ist der Große Hafner im Lungau, der tiefste der Millstätter See auf Kärntner Seite.
Ein Biosphärenpark ist kein Nationalpark. Der Unterschied liegt im Anspruch: Es geht nicht um unberührte Natur, sondern um eine Kulturlandschaft, in der Menschen leben, arbeiten und wirtschaften. Das Regionalbüro nennt drei Hauptfunktionen:
- Erhalten - die biologische und kulturelle Vielfalt und damit den Lebensraum der Region bewahren.
- Entwickeln - unter aktiver Beteiligung der Bevölkerung zu einer Modellregion für nachhaltige Entwicklung werden.
- Partizipieren - in Bildung und Forschung zur Beziehung zwischen Mensch und Umwelt mitarbeiten und internationalen Austausch aufbauen.
Praktisch heißt das: Die artenreiche Kulturlandschaft bleibt nur erhalten, solange sie bewirtschaftet wird. Almwiesen, die niemand mäht oder beweidet, verbuschen. Der Biosphärenpark setzt deshalb auf naturverträgliche Landwirtschaft statt auf Nutzungsverbote.
Dark Sky: gegen die Lichtverschmutzung
Das ungewöhnlichste Projekt der Region richtet sich nach oben. Weil Lichtverschmutzung selbst in abgelegenen Gegenden zunimmt, arbeitet der Biosphärenpark daran, die Sicht auf den dunklen Nachthimmel zu erhalten.
Der zentrale Hebel ist die Straßenbeleuchtung - im ländlichen Raum nach Darstellung des Parks eine der Hauptquellen. Der Dark-Sky-Botschafter Othmar Ortner arbeitet dazu mit den Bürgermeistern aller Lungauer Gemeinden an einer lichtverschmutzungsarmen Beleuchtung. Dazu kommen:
- der Betrieb von Lichtmessstationen zur Analyse
- Beratung der Gemeinden in Beleuchtungsfragen
- Informationen für Bauwerber bereits bei der Bauverhandlung
- monatliche Sternenwanderungen, bei denen erklärt wird, wie sich privater Lichteinsatz reduzieren lässt
Als Nutzen nennt das Dark-Sky-Projekt nicht nur die Sichtbarkeit der Sterne, sondern auch einen geringeren Energieverbrauch und positive Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Für Besucher ist die Sternenwanderung der naheliegende Zugang - und einer der wenigen Programmpunkte im Land, die abends stattfinden und nichts kosten müssen.
Burg Mauterndorf: aus einer Mautstation wurde ein Museum
Die Burg Mauterndorf am Markt 27 verdankt ihren Namen ihrer ursprünglichen Funktion: Sie war Mautstation für Reisende auf dem Weg über die Alpen. Später residierten hier im Sommer die Salzburger Fürsterzbischöfe. Der Bau stammt aus dem 13. Jahrhundert, der Wehrturm ist 44 Meter hoch und über 700 Jahre alt.
Zum Rundgang gehören Mittelalter-Stationen, ein Ritterspielplatz, ein naturbelassener Weg durch den Schlosspark und eine funktionierende Zugbrücke. Audioguide und Kinder-Audioguide ab sechs Jahren sind im Eintritt enthalten. Die Preise unterscheiden sich nach Saison:
| Eintritt | Winter | Sommer |
|---|---|---|
| Erwachsene | 12,50 € | 14,00 € |
| ermäßigt | 11,00 € | 12,00 € |
| Kinder, 6 bis 14 Jahre | 4,80 € | 5,20 € |
Die Öffnungszeiten sind auffällig gestaffelt. Im Mai, Juni, September und Oktober ist von 9.30 bis 17 Uhr geöffnet, im Juli und August bis 18 Uhr. Der Winterbetrieb läuft vom 12. Jänner bis 19. März 2027 nur dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr - also weder samstags noch sonntags. Zusätzlich geöffnet ist täglich vom 29. Dezember 2026 bis 8. Jänner 2027 und in der Karwoche vom 23. bis 29. März 2027, jeweils 13 bis 18 Uhr. An Sonderveranstaltungstagen kommt ein Aufpreis dazu.
Zwei Hausregeln: Hunde sind nur im Burghof und in der Burgschenke erlaubt, nicht in den Ausstellungsräumen - Assistenzhunde ausgenommen. Und Drohnenflüge sind auf dem Gelände verboten.
Samson, Prebersee und die Bräuche
Zwei Traditionen gibt es in dieser Form nur hier. Das Samsontragen - eine fünf bis acht Meter hohe, bis zu 80 Kilogramm schwere Riesenfigur, die durch die Orte getragen wird - ist im Lungau seit 1635 belegt und zählt seit 2010 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Und am Prebersee auf 1.514 Metern wird seit 1834 traditionell am dritten Augustwochenende auf die Spiegelung der Zielscheiben im Wasser geschossen.
Beides fällt in den Zeitraum des Bauernherbsts, der von Mitte August bis Ende Oktober läuft. Ausführlich beschrieben sind die Bräuche im Beitrag zum Salzburger Bauernherbst. Nicht zu verwechseln ist der Prebersee mit den großen Badeseen im Norden - er liegt auf über 1.500 Metern, was die Badeseen im Salzburger Land in eine andere Kategorie rückt.
Im Winter: Obertauern und die Skibus-Regel
Am nördlichen Rand des Lungaus liegt Obertauern auf 1.752 Metern mit mehr als 100 Pistenkilometern und Schneesicherheit von November bis Mai. Wie sich das Gebiet gegenüber Ski amadé und dem Skicircus einordnet und was die Skipässe 2026/27 kosten, steht bei den Skigebieten im Salzburger Land.
Für den Lungau gilt eine eigene Verkehrsregel, die viele nicht kennen: Nach den Bestimmungen des Salzburger Verkehrsverbunds berechtigt ein gültiger Skipass - ausgenommen Saison- und Punktekarten - zur freien Fahrt im gesamten Raum Lungau und von Obertauern bis Radstadt, während der Liftbetriebszeiten von 8 bis 18.30 Uhr. Das gilt auch auf der Murtalbahn zwischen Kendlbruck und Tamsweg. Mit Saison- und Punktekarten ist immerhin die Fahrt vom Wohnort zur Liftanlage und zurück frei, allerdings nur in Skibekleidung. Wer noch keinen Skipass hat und erkennbar zum Skigebiet fährt, wird als Erstfahrer toleriert.
Anreise
Mit dem Auto führt der Weg über die Tauernautobahn A10 und den Tauerntunnel oder über die Katschbergstraße. Ohne Auto fährt die Buslinie 270 Salzburg - Eben im Pongau - Tamsweg; innerhalb der Region ergänzt die Murtalbahn.
Wie Sie überhaupt ins Land kommen, steht bei der Anreise nach Salzburg, die Wege im Stadtgebiet beim Obus. Übernachtungsgäste erhalten beim Check-in das Guest Mobility Ticket, das für die Dauer des Aufenthalts in allen öffentlichen Verkehrsmitteln des Bundeslandes gilt.
Wer den Lungau mit einem zweiten Ziel verbinden will, sollte die Entfernungen ernst nehmen: Von Tamsweg nach Bad Gastein sind es nochmals gut anderthalb Stunden. Eine Einordnung aller Fahrzeiten steht bei den Ausflugszielen im Salzburger Land, passende Touren beim Wandern im Salzburger Land.
Was den Lungau von den anderen Gauen unterscheidet
Drei Dinge fallen bei einem Besuch auf. Erstens die Höhenlage: Die Talböden liegen deutlich über denen der übrigen Gaue, was kürzere Vegetationsperioden und kältere Nächte bedeutet - und einer der Gründe für den klaren Nachthimmel ist.
Zweitens die Küche. Der Lungauer Eachtling, die regionale Kartoffel, steht auf den Karten der Bauernherbst-Wirte und ist außerhalb der Region kaum zu bekommen.
Drittens die Dichte der Bräuche. Samsontragen und Preberseeschießen gehören zu einer Volkskultur, die hier nicht für den Tourismus wiederbelebt wurde, sondern durchgehend bestand. Das ist der Grund, warum die UNESCO neben den natürlichen auch die kulturellen Werte der Region als Kriterium führt.
Stand August 2026. Angaben zu Biosphärenpark, Fläche, Einwohnerzahl und Dark-Sky-Projekt nach dem Regionalverband Salzburger Lungau, Preise und Öffnungszeiten nach der Burg Mauterndorf, Verkehrsregelungen nach dem Salzburger Verkehrsverbund. Fahrstrecken ab Salzburg Hauptbahnhof berechnet. Öffnungszeiten ändern sich - vor der Fahrt gegenprüfen.