Stift St. Peter: Das älteste Kloster im deutschen Sprachraum
Seit über 1300 Jahren leben hier ohne Unterbrechung Benediktinermönche. Die Stiftskirche wurde 1147 geweiht - Führungen gibt es allerdings nur für Gruppen, dafür kostenlos.
Über 1300 Jahre ohne Unterbrechung
Die Erzabtei St. Peter im St.-Peter-Bezirk 1 macht eine Angabe, die in dieser Präzision selten ist: Sie sei das älteste Kloster im deutschen Sprachraum mit ungebrochener Kontinuität. Seit mehr als 1300 Jahren leben und wirken dort Benediktinermönche.
Der Zusatz "ungebrochene Kontinuität" trägt das Gewicht. Ältere Klostergründungen gab es, aber kaum eine überstand Reformation, Säkularisation und Kriege ohne Unterbrechung. Das Stift versteht sich heute als geistliches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum in Stadt und Land Salzburg.
Wenige hundert Meter entfernt, am östlichen Ausläufer des Festungsbergs, liegt mit dem Stift Nonnberg das älteste durchgehend bestehende Frauenkloster des deutschen Sprachraums. Die beiden Superlative sind also aufgeteilt - und beide Häuser stehen in Sichtweite zueinander.
Die Stiftskirche: 1147 geweiht, im 18. Jahrhundert umgestaltet
Das Zentrum der Anlage ist die Stiftskirche. Die erste Abteikirche wurde zerstört; Abt Balderich ließ den Bau im hochromanischen Stil neu gestalten, und 1147 wurde diese bis heute bestehende Kirche geweiht.
Ihr heutiges Aussehen im Inneren stammt allerdings aus einer viel späteren Phase: Von 1760 bis 1782 ließ Abt Beda Seeauer das Innere vollständig umgestalten. Beteiligt waren in- und ausländische Künstler, unter ihnen Franz X. König, Lorenz Härmbler, Johann N. Högler, Benedikt Zöpf, J. Weiß und J. Martin Schmidt.
Der romanische Kern mit barocker Ausstattung ist damit typisch für Salzburg - dieselbe Schichtung findet sich an vielen Bauten der Altstadt, etwa im DomQuartier.
Eine Klosterkirche, kein Konzertsaal
Ein Punkt, den das Stift selbst deutlich macht: Die Stiftskirche ist in erster Linie für die Gottesdienste der Klostergemeinschaft bestimmt. Kirchenkonzerte sind in der Regel nicht möglich - anders als in manchen anderen Salzburger Kirchen, die regelmäßig als Konzertorte dienen.
Möglich sind dagegen Taufen und Trauungen in der Stiftskirche oder in der Michaelskirche; wer das plant, wendet sich an das Kirchenrektorat. Was standesamtlich und kirchlich zu beachten ist, steht im Überblick zum Heiraten in Salzburg.
Musik hat im Haus dennoch einen festen Platz: Die Stiftsmusik gestaltet regelmäßig Gottesdienste, unter anderem mit Gregorianischem Choral und Orgelmusik. Zum Stift gehören außerdem ein Musikalienarchiv und die Johann-Michael-Haydn-Gesellschaft.
Führungen: kostenlos, aber nur für Gruppen
Hier liegt die praktisch wichtigste Information, und sie überrascht in beide Richtungen:
- Für Gruppen und Schulklassen bietet das Stift auf Anfrage kostenlose Führungen durch die Katakomben, die Stiftskirche und Teile des Kreuzgangs an.
- Für Einzelpersonen sind Führungen nicht möglich.
Wer also allein oder zu zweit anreist und den Kreuzgang sehen möchte, hat keine Möglichkeit dazu - während eine angemeldete Gruppe ihn gratis besichtigen kann. Das ist eine ungewöhnliche Regelung, die sich aus dem Charakter des Hauses erklärt: St. Peter ist ein bewohntes Kloster, kein Museum.
Anfragen laufen über die Erzabtei unter +43 662 844576 und office@erzabtei.at; erreichbar ist das Haus montags bis freitags von 8 bis 12 und von 12.30 bis 18.30 Uhr. Näheres steht auf der Seite der Erzabtei.
Was frei zugänglich ist
Ohne Anmeldung und ohne Gruppe bleiben zwei Bereiche offen:
| Bereich | Geöffnet |
|---|---|
| Petersfriedhof, April bis September | täglich 6.30 - 20 Uhr |
| Petersfriedhof, Oktober bis März | täglich 6.30 - 18 Uhr |
| Katakomben, Mai bis September | 10 - 12.30 und 13 - 18 Uhr |
| Katakomben, Oktober bis April | 10 - 12.30 und 13 - 17 Uhr |
Der Petersfriedhof ist älter als die Erzabtei selbst und entstand in der Spätantike. Die Katakomben - eigentlich ein Eremitorium, in den Mönchsberg gehauen - enthalten zwei Felsenkapellen: die Gertraudenkapelle, 1178 von Erzbischof Konrad III. von Wittelsbach dem acht Jahre zuvor ermordeten Thomas Becket geweiht, und die höher gelegene Maximuskapelle, urkundlich 1172 geweiht und 1659 unter Abt Amand Pachler renoviert. Ausführlicher stehen beide in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Salzburg.
Das Stift als Wirtschaftsbetrieb
Neben Kirche und Kloster betreibt die Erzabtei mehrere Unternehmen - was die Selbstbeschreibung als wirtschaftliches Zentrum erklärt. Dazu zählen das St. Peter Stiftskulinarium, eine Stiftsbäckerei, ein Klosterladen, ein Verlag, eine Gärtnerei sowie Land- und Forstwirtschaft.
Wissenschaftlich arbeiten im Haus das Institut für Benediktinische Studien, das Österreichische Liturgische Institut und das Kolleg Sankt Benedikt; dazu kommen Bibliothek, Stiftsarchiv, Kunst- und Mineraliensammlung sowie eine Ausgrabungsstätte. Das Stift ist damit weit mehr als ein Kirchenbau - es ist eine der ältesten durchgehend arbeitenden Institutionen der Stadt.
Stand August 2026. Alle Angaben nach der Darstellung der Erzabtei St. Peter. Öffnungszeiten von Friedhof und Katakomben können sich saisonal ändern, Gruppenführungen sind vorab anzufragen.