Der Salzburger Dom: Vier Bauten, ein Ort, sieben Orgeln
An derselben Stelle standen seit 774 vier Kirchen. Der heutige Bau entstand 1614 bis 1628 unter Santino Solari - und trägt heute sieben eigenständige Orgeln, von der Truhenorgel bis zum 58-Register-Werk auf der Westempore.
Vier Kirchen an derselben Stelle
Der Dom, dem heute rund um Domplatz und Residenzplatz alles zugeordnet ist, steht auf einem Platz, an dem seit dem 8. Jahrhundert gebaut, abgebrannt und neu gebaut wurde. Die Stadt Salzburg zählt in ihrer Beschreibung des Doms vier Bauphasen auf:
- 774: der Virgildom, eine dreischiffige romanische Basilika, vollendet unter Bischof Virgil.
- Nach 1167: der Konradinische Dom. Ein Stadtbrand hatte den Vorgängerbau zerstört; Erzbischof Konrad III. ließ die damals größte Basilika nördlich der Alpen errichten.
- Nach 1598: Abriss. Wieder ein Brand, diesmal ließ Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau die Reste niederreißen.
- 1614 bis 1628: der heutige Bau - die erste Barockkirche nördlich der Alpen.
Zwischen dem dritten und dem vierten Punkt liegt ein Machtwechsel. Wolf Dietrich wurde 1612 abgesetzt, sein Nachfolger Markus Sittikus von Hohenems verwarf dessen Pläne und begann von vorne. Noch im Jahr seiner Wahl berief er den Oberitaliener Santino Solari (1576 bis 1646) aus dem Intelvi-Tal zum Dombaumeister - denselben Mann, der zeitgleich Schloss Hellbrunn baute.
Solari, und was Markus Sittikus nicht mehr erlebte
1614 wurde der Grundstein gelegt. Als Markus Sittikus 1619 starb, war der Neubau bis zu den Dächern der Konchen und der Seitenschiffe gediehen - nicht weiter. Seine Grabinschrift fasst das trocken zusammen: "kaum zum Dache gelangt, musste ich schon in die Grube steigen".
Der Baufortschritt lässt sich bis heute an der Fassade ablesen. Die Konchen, also die Seitenapsiden, tragen im Scheitel Wappenschilde, auf denen sich der Hohenemser Steinbock und der Salzburger Löwe umarmen. Der Steinbock als Wappentier des Markus Sittikus findet sich in beiden Geschossen der Hauptfassade - fertiggestellt wurde unter ihm aber nur das untere.
Geweiht wurde der Dom 1628 unter Erzbischof Paris Lodron, dem Nachfolger. Aus dessen Zeit stammt auch das Rupertusoratorium im Nordoratorium, das heute Teil des DomQuartier-Rundgangs ist.
An der Südostseite stehen drei Statuen des sogenannten Meisters des Residenzbrunnens: Moses, Elias und mittig Christus Salvator. Dahinter im Stadtbild die Franziskanerkirche, ein Stück der Kuppel der Kollegienkirche und im Hintergrund die 1487 bis um 1530 erbaute Bürgerwehr als Rest der Mönchsberg-Stadtmauer.
1944: Die Kuppel
Der schwerste Eingriff der Neuzeit kam aus der Luft. Im Sommer 1944 wurde die große Orgel laut einer Inschrift im Gehäuse noch einmal gründlich gestimmt - wenige Wochen später war die Kuppel des Doms zerstört. Die Hauptorgel selbst blieb dabei erstaunlicherweise weitgehend unbeschädigt, wurde aber stark verschmutzt; erst nach dem Bau einer Trennwand zum Kuppelraum ließ sie sich wieder spielen.
Die Chororgel in den Schwalbennestern traf es härter: Sie wurde 1944 massiv beschädigt und abgebaut. Ein identischer Wiederaufbau samt neuem Kuppelfernwerk war zunächst geplant, scheiterte aber am Denkmalschutz - ein in die Kuppel auskragendes Fernwerk hätte die Symmetrie beeinträchtigt, und auch die Wiederherstellung der Schwalbennester von 1937 wurde abgelehnt. 1959, im Jahr der Wiedereröffnung des Doms, stellte man die Chororgel deshalb geschlossen hinter dem Hochaltar auf.
Sieben Orgeln
Was den Dom musikalisch von fast jeder anderen Kirche unterscheidet, ist nicht ein Instrument, sondern deren Anordnung im Raum. Die Orgeldatenbank der Erzdiözese Salzburg führt für den Dom der heiligen Rupert und Virgil sieben eigenständige Werke:
| Orgel | Standort | Baujahr | Orgelbauer | Register |
|---|---|---|---|---|
| Hauptorgel | Westempore | 1988 | Metzler Orgelbau AG, Dietikon | 58 |
| Venezianische Orgel | Kuppelempore | 1995 | Franz Zanin, Camino al Tagliamento | 27 |
| Heilig-Geist-Orgel | Kuppelempore links vorne | 1991 | Reinisch-Pirchner, Steinach am Brenner | 14 |
| Hoforgel | Kuppelempore rechts vorne | 1991 | Reinisch-Pirchner, Steinach am Brenner | 14 |
| Renaissance-Orgel | Kuppelempore südwest | 1995 | Francesco Zanin, Codroipo | 11 |
| Continuo-Orgel | Kuppelempore südwest | 1995 | Francesco Zanin, Codroipo | 3 |
| Truhenorgel | fahrbar | 1989 | Reinisch-Pirchner, Steinach am Brenner | 4 |
Alle sieben haben mechanische Spiel- und Registertraktur. Und alle sind unterschiedlich gestimmt: Die Hauptorgel steht ungleichschwebend, die beiden Pirchner-Orgeln auf 442 Hertz bei 18 Grad, die italienischen Werke deutlich tiefer - die Renaissance-Orgel auf 435 Hertz bei 12,2 Grad, die Venezianische auf 435,2 Hertz bei 11,7 Grad. Wer sie zusammen spielen will, muss die Temperatur im Raum mitdenken.
Die Kuppelemporen wurden 1990/91 neu aufgebaut, die Gehäuse sind Neuschöpfungen. An diesen Stellen standen aber schon 1628 Instrumente: die Hoforgel und die Heilig-Geist-Orgel, beide zunächst mit einem Manual und Pedal, später von den Hoforgelbauern Egedacher erheblich vergrößert. 1859 wurden sie samt Empore abgebrochen; das metallene Pfeifenwerk ging an einen Altmetallhändler, an die Orgelbauer Mauracher und an die Pfarre Saalfelden.
Ein Detail, das man auf der Empore sehen, aber nicht hören kann: Damit die neue Hoforgel optisch zur Heilig-Geist-Orgel passt, stehen im Mittelfeld ihres Prospekts die Prinzipalpfeifen Cis, Dis, Fis und Gis - Töne, die es in der kurzen Oktave gar nicht gibt. Sie sind stumm.
Die Hauptorgel und ihre 300 Jahre Vorgeschichte
Das Gehäuse auf der Westempore ist älter als alles, was darin klingt: Es stammt von Christoph Egedacher aus dem Jahr 1703. Die Egedacher bauten damals eine Orgel auf zwei Manualen und Pedal; den Kontrakt unterschrieb unter anderem Hofkapellmeister Heinrich Ignaz Franz Biber.
Ab 1705 kam ein drittes Manual dazu, und zwar ein sehr ungewöhnliches: geteilte Schleifen, ein größerer Tonumfang von 47 Tönen, nicht koppelbar, komplett selbstständig und voll mit Charakter- und Galanterieregistern. Johann Christoph und Ignaz Egedacher wurden dafür auf Kosten des Fürsterzbischofs nach Italien geschickt. Die Orgeldatenbank ordnet das historisch ein: Es sei die Vorwegnahme dessen, was im 19. Jahrhundert bei den Brüdern Serassi und im 20. Jahrhundert als "Orchestral Division" in Mode kam.
Danach folgten Umbauten in dichter Folge, und fast jeder war größer als beauftragt:
- 1841/42, Ludwig Mooser. Beauftragt als "Reparatur" zum Mozartfest 1842, genehmigt war eine Erweiterung auf 47 Register. Mooser baute auf 60 hin - ohne Genehmigung. Er bekam nie das volle Honorar, und die 60 Register hatte die Orgel am Ende auch nicht.
- Bis 1883, Matthäus Mauracher sen. Neubau unter Weiterverwendung von Windladen und Pfeifen Moosers und einiger Egedacher-Stimmen. Ergebnis: 69 Register.
- Bis 1914, Matthäus Mauracher jun. Angeboten war ein günstiger "Erweiterungsumbau" auf 93 Register, ausgeführt wurden ohne Rücksprache 101. Das Abnahmegutachten kritisierte mangelnde Windstabilität und technische Fehlfunktionen ungewöhnlich direkt; die Organisten kämpften danach dauerhaft mit Störungen.
- Bis 1959. Instandsetzung, neuer viermanualiger Spieltisch von Eisenschmidt, Taschenladen gegen Kegelladen getauscht - der problematische Zustand von 1914 blieb im Kern bestehen.
- 1988, Metzler Orgelbau. Nach einer 1981 kurzfristig stornierten Umdisponierung entschied man sich für den vollständigen Neubau. Eingeweiht wurde die heutige Orgel an Fronleichnam 1988, gleichzeitig entstanden die Kuppelorgeln neu.
Metzler führt das Instrument als Opus 554 mit 58 klingenden Registern und einem Effektregister auf drei Manualen und Pedal; die vollständige Disposition steht auf der Werkseite des Erbauers. Das Rückpositiv-Gehäuse wurde dafür völlig neu erstellt. Aus der alten Orgel blieben Teile der Octave 2' und der Holzflöte 8' im Rückpositiv, der mittige 16'-Prospekt ab F, der 8' des Cornet V im Hauptwerk sowie Teile der Principale im Schwellwerk und der Subbass 16' im Pedal. Die metallenen Prospektpfeifen von 1883 stehen bis heute - allerdings wurden ihnen sämtliche Vorderbärte entfernt.
Die Dompfarre
Die Seelsorge im Stadtgebiet lag ursprünglich bei den Mönchen von St. Peter. Erzbischof Konrad I. überzeugte sie 1139, diese Aufgabe zugunsten des Domkapitels aufzugeben; die Domherren wählten fortan einen aus ihrer Mitte zum Stadtpfarrer. Die Errichtung der Pfarrstelle wird auf 1224 datiert.
Bemerkenswert ist, wie spät der Dom selbst Pfarrkirche wurde: Stadtpfarrkirche war bis 1189 die Michaelskirche, danach die spätere Franziskanerkirche - und erst ab 1635 der Dom. 1588 übergaben die Domherren die Stadtpfarre an Fürsterzbischof Wolf Dietrich, der zwei durch die Salzach getrennte Stadtkaplaneien bildete. Später verkleinerten Pfarrgründungen das Gebiet: 1461 Mülln, 1699 Aigen, Gnigl und Nonntal als Kuratien, 1811 unter bayerischer Herrschaft St. Blasius und St. Andrä. Die vollständige Chronik steht bei der Salzburger Dompfarre.
Die regelmäßigen Gottesdienste nach Angabe der Dompfarre: werktags 6.30 Uhr Pfarrmesse, 7 Uhr Laudes, 7.20 Uhr Kapitelmesse; samstags 6.30 Uhr Pfarrmesse; sonntags 8.30 Uhr Pfarrmesse, 10 Uhr Hochamt, 11.30 Uhr heilige Messe; an Feiertagen 8.30 Uhr Pfarrmesse, 10 Uhr Pontifikalamt und 11.30 Uhr heilige Messe, an manchen Feiertagen erst um 12 Uhr. Kontakt: Kapitelplatz 7, dompfarre.salzburg@eds.at.
Besuchszeiten: eine Lücke, die man kennen sollte
Für Öffnungszeiten, Eintrittsbeitrag und Führungstermine gibt es eine offizielle Adresse, salzburger-dom.at. Deren Inhalte werden allerdings vollständig per JavaScript nachgeladen: Wer die Seite ohne Browser abruft - also jeder Crawler und jedes Vorlese-Werkzeug - bekommt eine leere Hülle ohne einen einzigen Satz Text zurück. Belastbar zitieren lassen sich die dort genannten Zeiten und Beträge deshalb nicht. Bitte holen Sie sie direkt auf der Öffnungszeiten-Seite des Doms ab.
Zwei Einschränkungen sind dagegen belegt und für die Planung wichtig. Erstens: An Wochentagen findet im Dom die "Musik zu Mittag" statt, weshalb ab 12 Uhr für etwa 45 Minuten die Orgelempore gesperrt ist; sonntags und an bestimmten Feiertagen gilt das während der Gottesdienste. Zweitens: Bei den Jedermann-Aufführungen am Domplatz ist der Dom während der Vorstellungen nicht zu besichtigen.
Wer den Innenraum von oben sehen möchte, kommt ohnehin über das DomQuartier hinein - der Weg über die Orgelempore ist Teil dieses Rundgangs, ebenso das Dommuseum im Südoratorium mit dem Domschatz. Unter dem Residenzplatz liegt außerdem das Domgrabungsmuseum mit den Resten der Vorgängerbauten; es gehört zum Salzburg Museum und ist nur mit Führung zugänglich.
Stand August 2026. Baugeschichte nach stadt-salzburg.at, Orgeldaten nach der Orgeldatenbank der Erzdiözese Salzburg und der Werkseite von Metzler Orgelbau, Pfarrgeschichte und Gottesdienstzeiten nach der Dompfarre. Besuchszeiten und Eintrittsbeitrag bewusst nicht übernommen, weil die offizielle Seite keinen auslesbaren Text liefert.