SALZBURG JOURNAL

Street Art in Salzburg: Wo Sprayen erlaubt ist

Die Stadt stellt acht Flächen zum legalen Sprayen bereit, die größte misst 1.200 Quadratmeter. Voranmeldung braucht es nicht - dafür gelten pro Wand eigene Regeln, und eine davon betrifft einen Eisstockverein.

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Street Art in Salzburg: Wo Sprayen erlaubt ist

Die Rechtslage in einem Satz

Illegales Sprayen ist in Österreich Sachbeschädigung und nach § 125f StGB strafbar. Genau deshalb stellt die Stadt Salzburg Flächen bereit, auf denen es erlaubt ist - nach eigenen Angaben acht Flächen im gesamten Stadtgebiet, unter anderem in Maxglan, Lehen, Schallmoos, Aigen und im Zentrum.

Zwei Punkte machen die Nutzung unkompliziert: Die Flächen sind eindeutig gekennzeichnet, und eine Voranmeldung ist nicht notwendig. Dafür gilt eine "Fair Use"-Vereinbarung mit Regeln zu Inhalten, Sicherheit und Nutzung - und pro Wand kommen eigene Auflagen dazu, die man kennen sollte, bevor man die Dose ansetzt.

Eine Änderung betrifft alle, die sich an älteren Ortsangaben orientieren: WC-Anlagen, die bisher als legale Sprayflächen genutzt wurden, stehen künftig nicht mehr zur Verfügung.

Die Flächen im Einzelnen

Sechs Wände beschreibt die Stadt in ihrer Übersicht zu Graffiti und Street Art mit Größe, Adresse und Nutzungsregeln:

FlächeStadtteilGrößeAdresse
Wallnergasse - RauchmühleLehenrund 1.200 m²Wallnergasse bis Marie-Andeßner-Platz 1
Makart KaiLehenrund 500 m²Makart Kai, Höhe Arnsdorfgasse
RathausunterführungZentrumrund 150 m²Kanzlermarkt 1
Lehener ParkLehenrund 120 m²Lehener Park
StölzlparkMaxglanrund 50 m²Bindergasse 5
VolksgartenAigenrund 10 m²Hundertwasser Allee

Das Größenverhältnis ist bemerkenswert: Zwischen der kleinsten und der größten Fläche liegt der Faktor 120. Wer ein großes Stück plant, hat praktisch nur zwei Optionen, und beide liegen in Lehen.

Die Auflagen pro Wand

Jede Fläche hat eigene Einschränkungen, und sie sind konkreter als das übliche Kleingedruckte:

  • Stölzlpark: Nur Seitenwände und Rückseite des bestehenden Gebäudes dürfen besprüht werden - die Frontseite bleibt frei.
  • Lehener Park: Während eines Spiels des Eisstockvereins darf nicht gesprüht werden, beziehungsweise nur in Abstimmung mit den anwesenden Sportlerinnen und Sportlern.
  • Wallnergasse: Radfahrende sind zu berücksichtigen, es dürfen keine Sprühdosen auf den Radweg gestellt werden, und das Parkhausschild darf nicht übersprüht werden.
  • Makart Kai: Keine Sprühdosen auf die Straße stellen, auf die Sicherheit von Auto- und Radverkehr achten.
  • Volksgarten: Erlaubt ist ausschließlich die Plakatwand. Das Toilettenhaus ist ausdrücklich ausgenommen.

Zwei Flächen gehören nicht der Stadt: Die Wand an der Wallnergasse steht im Eigentum der ÖBB, wofür es eine schriftliche Vereinbarung zwischen dem ÖBB-Streckenmanagement und der Stadt Salzburg gibt. Stölzlpark und Rathausunterführung gehören der Stadt selbst.

Die längste Wand Salzburgs

Die Fläche an der Wallnergasse ist nicht nur die größte, sondern hat auch die interessanteste Entstehungsgeschichte. Sie geht auf eine Kooperation der Stadt Salzburg mit dem Verein "Agenda Urbana" zurück. 2019 lief im Rahmen des BewohnerService-Festes ein Testlauf; nach einem Jahr Probebetrieb waren laut Stadt sowohl Künstlerinnen und Künstler als auch Anwohner und die ÖBB-Infrastruktur überzeugt.

Im Juni 2020 wurde daraus der Normalbetrieb: Auf über 800 Quadratmetern zwischen dem Salzachkai auf Höhe der S-Bahn-Station Mülln und der Wallnergasse entstand die damals längste Graffiti-Wand der Stadt, anschließend bis zur Salzach erweitert. Am 19. Juni 2020 besprühten Kinder und Jugendliche aus Lehen und Liefering die neue Wand in einem Workshop als Erste.

Am selben Wochenende, von 19. bis 21. Juni 2020, fand der "Soulidarity Jam" statt - nach Darstellung der Stadt die größte Street-Art-Veranstaltung, die es in Salzburg je gegeben hat. Eingeladen hatten Michael "Muck" Töpfer und seine Kolleginnen und Kollegen vom Verein URBANIA; gekommen sind nationale und internationale Namen.

Wie es angefangen hat: SalzWand 2007

Der Beginn liegt fast zwei Jahrzehnte zurück. Im August 2007 gab die Stadt im Rahmen des Projekts "SalzWand" die Außenseiten zweier stadteigener Gebäude zum Sprayen frei: auf dem Spiel- und Freizeitgelände Rauchenbichl und im Kinderverkehrsgarten Stölzlpark.

Die Argumentation der Stadt war damals schon doppelt: kreativer Freiraum für junge Leute einerseits, Reduktion der Reinigungskosten durch wilde Sprühaktionen andererseits. Gekennzeichnet wurden die Flächen mit dem Logo von salzblog.at, verbunden mit der "Fair Use"-Vereinbarung - dem Prinzip, das bis heute gilt.

Dass ein solches Angebot auch Lücken hat, zeigte sich früh: Im Juli 2010 musste die Fläche im Stölzlpark gesperrt werden, weil das Gebäude beim Kinderverkehrsgarten saniert wurde. Damals blieben als legale Flächen nur Rauchenbichl, ein WC-Häuschen im Preuschenpark und Teile der Hochwasserschutzwand in Lehen - ein Zustand, mit dem sich das heutige Angebot von acht Flächen gut vergleichen lässt.

Die Projekte der jüngeren Zeit

Neben den Dauerflächen führt die Stadt in ihrer Übersicht drei Graffiti-Projekte an:

  • 2022: Street Art gegen Gewalt
  • 2023: Diversity Jam
  • 2024: Fünfhaus-Viadukt

Dazu kommen Workshops, etwa im Kulturpavillon. Zuständig ist das Jugendbüro der Stadt am Mirabellplatz 4, erreichbar unter jugendbuero@stadt-salzburg.at; Jugendbeauftragter ist Lukas Holzmann, Telefon +43 662 8072-2049.

Was das für einen Rundgang heißt

Wer die legalen Wände nicht zum Sprayen, sondern zum Anschauen sucht, kommt mit zwei Wegen weit. Der eine führt durch Lehen: Wallnergasse, Makart Kai und Lehener Park liegen alle im selben Stadtteil, zusammen rund 1.820 Quadratmeter Fläche - also fast neun Zehntel der beschriebenen Gesamtfläche. Wer wissen will, wie die Salzburger Szene gerade arbeitet, schaut hier.

Der zweite Weg ist ein einzelner Punkt: die Rathausunterführung am Kanzlermarkt, die einzige beschriebene Fläche im Zentrum. Sie liegt auf jedem Altstadtweg und ist mit 150 Quadratmetern groß genug für ganze Bildfolgen.

Ein Hinweis zur Erwartung: Weil auf legalen Flächen ständig übermalt wird, ist jeder Besuch ein anderer. Eine Wand, die man vor drei Wochen fotografiert hat, sieht heute anders aus - das unterscheidet diese Orte von jedem Museum.

Kunst im öffentlichen Raum ist etwas anderes

Wer in Salzburg nach Kunst im Stadtraum sucht, stößt schnell auf ein zweites Projekt, das mit Street Art aber nichts zu tun hat: den Walk of Modern Art.

Dahinter steht die Salzburg Foundation, die seit 2002 gemeinsam mit der Stiftung für Kunst und Kultur Bonn Skulpturenprojekte im Freien realisiert. Über zehn Jahre entstand so ein Skulpturenparcours in der Altstadt mit je einem Werk pro Jahr:

JahrKünstlerin oder Künstler
2002Anselm Kiefer
2003Mario Merz
2004Marina Abramović
2005Markus Lüpertz
2006James Turrell
2007Stephan Balkenhol
2008Anthony Cragg
2009Christian Boltanski
2010Jaume Plensa
2011Brigitte Kowanz, Manfred Wakolbinger und Erwin Wurm

Fünf dieser Arbeiten lassen sich beim Spaziergang durch die Altstadt gut verbinden, weil die Standorte dokumentiert sind:

  • Anselm Kiefer, 2002 - ein Haus mitten im Furtwänglerpark, exakt nach Angaben des Künstlers gebaut und eingerichtet, mit einer Stellage aus sechzig bleiernen Büchern, aus denen Zweige marokkanischer Dornenbüsche zu wachsen scheinen.
  • Mario Merz, 2003 - auf dem Mönchsberg, in der Senke neben dem Wasserturm nahe dem Museum der Moderne, halb verborgen.
  • Markus Lüpertz, 2005 - eine 2,95 Meter hohe, farbig gefasste Bronzefigur auf einem einen Meter hohen Steinsockel am Ursulinenplatz, zwischen Mönchsbergwand, Klausentor und Salzach. Sie steht Fischer von Erlachs Markuskirche als Gegenüber.
  • James Turrell, 2006 - ein begehbarer "SKY-SPACE" auf dem Mönchsberg in Form eines elliptischen Zylinders, nach oben offen, mit Sitzflächen entlang der Innenwände. Der Himmelsausschnitt ist Teil des Werks, das Bild ändert sich also mit Tageszeit und Wetter.
  • Anthony Cragg, 2008 - "Caldera" am Makartplatz, rund fünf Meter hoch, aus patinierter Bronze. Der geologische Begriff bezeichnet einen Kraterkessel und verweist auf die Kessellage der Stadt.
  • Jaume Plensa, 2010 - "Awilda" in der Dietrichsruh der Universität Salzburg, ein fünf Meter hoher Mädchenkopf aus weißem spanischem Marmor.

Stephan Balkenhol steuerte 2007 zwei Skulpturen bei - einen Mann auf einer Kugel und eine Frau in einer Felswand -, die beim Gang durch die Altstadt aufeinander Bezug nehmen.

Die Werke gehören heute zur Sammlung Würth. Als Fortsetzung läuft seit 2014 das Kunstprojekt Krauthügel: 80.000 Quadratmeter Wiese unterhalb der Festung Hohensalzburg werden jeden Sommer zum Schauplatz einer Skulpturenpräsentation im Freien; den Auftakt machten drei Arbeiten von Anthony Cragg.

Der Unterschied zur Sprayerszene ist grundsätzlich: Der Walk of Modern Art ist kuratiert, dauerhaft und institutionell getragen, die legalen Wände sind offen, temporär und werden ständig übermalt. Wer eine bestimmte Arbeit auf einer legalen Fläche noch einmal sehen will, kommt meist zu spät - genau das ist der Punkt an der Sache.

Wer Kunst lieber in Innenräumen sucht: Adressen und Öffnungszeiten stehen im Überblick zu den Galerien in Salzburg und den Museen in Salzburg.

Stand August 2026. Angaben zu legalen Flächen, Größen und Nutzungsregeln nach der Stadt Salzburg, Angaben zum Skulpturenparcours nach der Salzburg Foundation. Flächen können wegen Bauarbeiten vorübergehend gesperrt werden - vor der Anfahrt prüfen.

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