SALZBURG JOURNAL

Sonnenuntergang in Salzburg: Die schönsten Aussichtspunkte

Der Punkt am Horizont, an dem die Sonne verschwindet, wandert im Lauf des Jahres um 73 Grad. Wann sie in Salzburg untergeht, wohin Sie dafür schauen müssen und welche Bahn Sie danach noch ins Tal bringt.

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Sonnenuntergang in Salzburg: Die schönsten Aussichtspunkte

Die Sonne geht nicht im Westen unter, sondern fast überall

Der verbreitetste Irrtum bei der Planung ist die Annahme, man müsse einfach nach Westen schauen. Tatsächlich wandert der Punkt, an dem die Sonne den Horizont berührt, im Lauf eines Jahres über einen weiten Bogen. Für Salzburgs Altstadt-Koordinaten ergibt die Rechnung:

DatumAzimut des SonnenuntergangsRichtung
21. Juni307,5 GradNordwest
20. März270,6 GradWest
23. September270,9 GradWest
21. Dezember234,8 GradSüdwest

Zwischen den beiden Sonnenwenden liegen also fast 73 Grad. Praktisch heißt das: Ein Aussichtspunkt, der im Juni perfekt liegt, kann im Dezember den Blick auf einen Hang oder eine Häuserzeile freigeben, während die Sonne hinter einer Kante verschwindet. In Salzburg mit seinen Stadtbergen und dem Untersberg im Südwesten ist dieser Unterschied größer als in einer Stadt in der Ebene: Im Dezember sinkt die Sonne in Richtung des Untersbergmassivs, im Juni weit rechts daran vorbei über das flache Land im Nordwesten.

Die Werte in der Tabelle sind mit dem üblichen Höhenkorrekturwert von minus 0,833 Grad für Refraktion und Sonnenradius für 47,80 Grad Nord und 13,04 Grad Ost gerechnet - das ist der geometrische Horizont. Wo ein Berg im Weg steht, verschwindet die Sonne entsprechend früher.

Die Uhrzeiten im Jahresverlauf

Alle Zeiten unten gelten für die Salzburger Altstadt und sind auf die Minute gerundet; gegenüber veröffentlichten Tabellen können sie um ein bis zwei Minuten abweichen, weil Standort und Refraktionsansatz leicht variieren. Bis 25. Oktober 2026 gilt Sommerzeit, danach Normalzeit.

Datum 2026SonnenaufgangSonnenuntergangTageslänge
1. Jänner7:5616:258:29
1. Februar7:3517:079:32
1. März6:4917:5111:02
20. März6:1118:1912:08
1. April6:4619:3612:50
1. Mai5:5020:1914:28
1. Juni5:1320:5715:44
21. Juni5:0921:0916:01
1. August5:4420:4415:00
1. September6:2519:5013:25
23. September6:5519:0512:10
1. Oktober7:0618:4811:42
1. November6:5116:519:59
1. Dezember7:3516:188:43
21. Dezember7:5316:178:24

Vier Extremwerte lohnen es, sich zu merken:

  • Spätester Sonnenuntergang: 26. Juni, 21:10 Uhr. Nicht am 21. Juni, obwohl das der längste Tag ist.
  • Frühester Sonnenuntergang: 11. Dezember, 16:15 Uhr. Zehn Tage vor der Wintersonnenwende.
  • Frühester Sonnenaufgang: 16. Juni, 5:08 Uhr.
  • Spätester Sonnenaufgang: um den Jahreswechsel, 7:56 Uhr.

Der Grund für diese Verschiebung liegt in der Zeitgleichung: Die Erde bewegt sich auf einer leicht elliptischen Bahn und ihre Achse ist geneigt, weshalb der wahre Sonnenmittag im Dezember Tag für Tag um etwa eine halbe Minute später fällt. Diese Verschiebung überlagert die Verkürzung des Tages. Ergebnis: Ab dem 11. Dezember werden die Abende bereits wieder länger, während die Morgen noch zwei Wochen lang finsterer werden.

Wie lange es nach dem Sonnenuntergang noch hell bleibt

Der Sonnenuntergang ist nicht der Zeitpunkt, an dem es dunkel wird. Bis zum Ende der bürgerlichen Dämmerung, also bis die Sonne sechs Grad unter dem Horizont steht, bleibt es hell genug, um ohne Licht zu gehen und zu fotografieren:

Datum 2026SonnenuntergangEnde der bürgerlichen DämmerungRestlicht
21. Juni21:0921:5141 Minuten
18. August20:1620:5034 Minuten
23. September19:0519:3631 Minuten
21. Dezember16:1716:5336 Minuten

Die kürzeste Dämmerung hat Salzburg also um die Tagundnachtgleiche im September, die längste im Hochsommer. Wer im Juni um 21:09 Uhr auf einem Stadtberg steht, hat danach noch gut 40 Minuten Zeit für den Abstieg, bevor es im Wald wirklich finster wird. Ende September sind es zehn Minuten weniger - und das fällt im Wald deutlich stärker ins Gewicht als auf offener Fläche.

Die Aussichtspunkte nach Blickrichtung

Nicht jeder gute Aussichtspunkt ist ein guter Sonnenuntergangspunkt. Entscheidend ist, wohin er zeigt.

Blick nach Westen: der Kapuzinerberg

Der Kapuzinerberg liegt östlich der Altstadt, seine Aussichtsstellen zeigen also über die Stadt hinweg in Richtung Sonnenuntergang. Der Basteiweg von der Linzergasse bietet nach Angaben der Stadt an mehreren Stellen gute Aussicht auf die Altstadt; die Hettwerbastei unterhalb des Klosters liegt auf derselben Achse. Für den Blick über die Dächer ist das die naheliegendste Adresse, und im Winter, wenn die Sonne bei 235 Grad im Südwesten sinkt, steht sie von hier aus über dem Untersberg. Details zu den Wegen stehen im Beitrag zum Kapuzinerberg.

Eine praktische Warnung dazu: Auf den Wegen am Kapuzinerberg gibt es keine Beleuchtung. Und von 17. August bis voraussichtlich Mitte Dezember 2026 wird der Wanderweg zwischen Franziskischlössl und Schweizerhäusl während der Hubschrauberflüge für die Steinschlagsicherung gesperrt, wie die Stadt in ihrer Übersicht zum Kapuzinerberg festhält.

Blick nach Osten: der Gnigler Kavalier und die Mönchsberg-Terrassen

Wer nicht in die Sonne, sondern auf das schauen will, was sie beleuchtet, dreht sich um. Der Gnigler Kavalier östlich des Franziskischlössls ist laut Stadt der bekannte Aussichtsort nach Osten - hier trifft das letzte Licht den Gaisberg. Umgekehrt liegen die Terrassen am Mönchsberg westlich der Altstadt: Von dort scheint die Abendsonne über die Schulter auf Kapuzinerberg und Festung. Für Fotos ohne Gegenlicht ist das die verlässlichere Seite. Wie Sie hinaufkommen und was der Aufzug kostet, steht beim Mönchsberg-Aufzug.

Blick nach Norden: die Kavaliere

Oberer und Unterer Kavalier auf der Nordseite des Kapuzinerbergs sind aus dem Kalkfels herausgeschlagene Geschützstellungen und dienen heute als Aussichtsplattformen über das Flachgauer Vorland. Im Juni, wenn die Sonne bei 307 Grad im Nordwesten sinkt, ist das die Richtung, in der sie tatsächlich verschwindet.

Der Gaisberg: der weiteste Blick, das engste Zeitfenster

Vom Gaisberg aus reicht der Blick am weitesten. Der Gipfel liegt östlich der Stadt, die Sonne sinkt also über dem Becken, dem Untersberg und dem bayerischen Vorland. Genau dort wird allerdings die Rückfahrt zum Problem, weil der letzte Bus früher fährt als die Sonne untergeht.

Die Rechnung, die vor Ort zählt: Kommen Sie noch herunter?

Das ist der Punkt, an dem die meisten Abende scheitern. Drei Aufstiegshilfen führen auf Salzburgs Höhen, und alle drei schließen früher, als man im Sommer denkt.

VerbindungLetzte TalfahrtEinschränkung
Festungsbahn21:00 UhrBetrieb täglich ab 8:30, letzte Bergfahrt 20:30, ausgenommen Veranstaltungen
Mönchsberg-Aufzug21:00 Uhrmontags nur bis 19:00 Uhr; ab 18. Juli 2026 täglich bis 23:00 Uhr
Gaisbergbus Linie 15120:10 Uhr ab Gaisbergspitzedieser Kurs laut Fahrplan nur von 25. April bis 13. September 2026

Was folgt daraus konkret?

  • Gaisbergspitze im Hochsommer: Die Sonne geht am 21. Juni um 21:09 Uhr unter, der letzte Bus fährt um 20:10 Uhr ab. Der Sonnenuntergang vom Gipfel ist mit den Öffis nicht zu schaffen. Erst ab etwa Mitte September, wenn der Sonnenuntergang vor 19:30 Uhr fällt, geht sich beides aus - dann allerdings fährt der 20:10-Kurs nach dem 13. September nicht mehr, und die letzte Talfahrt ist bereits um 18:10 Uhr. Fahrzeit ab Gaisbergspitze bis Mirabellplatz: 30 Minuten. Der aktuelle Fahrplan der Linie 151 gilt ab 14. Dezember 2025.
  • Mönchsberg am Montag: Der Aufzug schließt um 19:00 Uhr, zwei Stunden früher als an allen anderen Tagen. Von Ende März bis Mitte September liegt der Sonnenuntergang danach. Wer montags oben bleiben will, plant den Abstieg über die Stiegen ein. Die Zeiten stehen in der Betriebsübersicht der Salzburg AG.
  • Festung im Winter: Von November bis Februar geht die Sonne zwischen 16:15 und 17:10 Uhr unter, die letzte Talfahrt der Festungsbahn um 21:00 Uhr. In der dunklen Jahreszeit ist das also die entspannteste Variante - vier Stunden Puffer. Details zu Tickets und Areal stehen bei der Festung Hohensalzburg.

Wann welcher Punkt passt

Aus Uhrzeit, Himmelsrichtung und Betriebszeit lässt sich für jede Jahreszeit eine kurze Empfehlung ableiten:

JahreszeitSonnenuntergangRichtungPraktikabel
Hochsommer (Juni, Juli)21:00 bis 21:10NordwestKapuzinerberg zu Fuß, Festung bis 21:00 Uhr
Spätsommer (August, September)20:45 bis 19:05West-Nordwestalle drei Berge, Gaisberg bis 13. September
Herbst (Oktober, November)18:48 bis 16:50West bis SüdwestMönchsberg und Festung mit Puffer
Winter (Dezember bis Februar)16:15 bis 17:35SüdwestFestung, Mönchsberg; Kapuzinerberg nur mit Stirnlampe

Zwei Punkte, die keine Bergfahrt brauchen: Die Salzachufer zwischen den Brücken geben im Winter einen freien Blick nach Südwesten auf den Untersberg, und die Wege rund um den Leopoldskroner Weiher bieten laut Stadt Ausblicke auf Schloss, Festung und Gaisberg - bei tiefstehender Sonne spiegelt sich das im Wasser. Beide sind ebenerdig, ganzjährig frei zugänglich und mit dem Obus erreichbar; mehr zu den Grünflächen steht bei den Parks in Salzburg. Ein Hinweis der Stadt gilt allerdings das ganze Jahr: Die Eisfläche des Weihers darf im Winter nicht betreten werden, weil sich wegen der Wasserbewegung keine stabile Decke bildet.

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