Lehen: Salzburgs dichtester Stadtteil im Wandel
17.415 Hauptwohnsitze auf wenig Fläche machen Lehen zum am dichtesten bewohnten Teil der Stadt. Aus einer Industriebrache wurde ein Campus mit 700 Arbeitsplätzen, aus dem Bibliotheksumzug 2009 der meistbesuchte Ort des Viertels.
Der am dichtesten bewohnte Teil der Stadt
Lehen liegt am linken Salzachufer nördlich der Altstadt und ist statistisch in zwei Zählbezirke geteilt. Zusammengerechnet ergibt das nach den Zahlen des Stadtarchivs zum Stichtag 1. Jänner 2026:
| Zählbezirk | Hauptwohnsitze | Nebenwohnsitze |
|---|---|---|
| Lehen-Süd | 8.733 | 806 |
| Lehen-Nord | 8.682 | 681 |
| zusammen | 17.415 | 1.487 |
Damit ist Lehen der bevölkerungsstärkste Siedlungsraum Salzburgs - der größte einzelne Zählbezirk ist zwar Schallmoos mit 10.754 Hauptwohnsitzen, aber die beiden Lehener Bezirke übertreffen ihn gemeinsam deutlich.
Entscheidender als die absolute Zahl ist die Dichte. Lehen-Süd erreicht 148,5 Personen pro Hektar und ist damit der dichteste Zählbezirk der Stadt - mehr als das Sechsfache des Stadtschnitts von 24,2. Am anderen Ende liegt der Gaisberg mit 0,2. Die Einordnung aller Bezirke steht im Überblick zu den Stadtteilen von Salzburg.
Diese Dichte erklärt viel: In Lehen wohnen auf engem Raum mehr Menschen als irgendwo sonst in Salzburg, und das prägt Infrastruktur, Verkehr und die Diskussion über Freiflächen.
Aus einer Industriebrache wurde ein Campus
Der auffälligste Eingriff der letzten zwanzig Jahre ist das Stadtwerk Lehen. Wo zuvor eine Industriebrache lag, steht heute ein gemischtes Quartier. Der Ablauf laut Darstellung der Stadt:
- 2004 startete ein Ideenwettbewerb für das Areal.
- 2009 begann der Wohnbau; im nördlichen Teil entstanden rund 300 Wohnungen.
- Dazu kamen das sanierte ehemalige Stadtwerke-Hochhaus und die neu errichteten Prisma-Bauten, deren Fertigstellung für Herbst 2015 geplant war.
Heute sind dort nach Angaben der Stadt rund 700 Arbeitsplätze angesiedelt, überwiegend in Life Sciences, Bildung und wirtschaftsnahen Dienstleistungen. Auf dem Areal befindet sich ein Forschungszentrum der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität; größter Mieter ist der Nahrungsergänzungshersteller Biogena.
Bemerkenswert an dem Projekt ist die Mischung: Wohnen und Arbeiten auf derselben Fläche, in hoher Dichte - also genau das Muster, das den Stadtteil ohnehin prägt, hier aber geplant statt gewachsen.
Die Bibliothek, die den Stadtteil verändert hat
Am 9. Jänner 2009 übersiedelte die Stadt:Bibliothek vom Schloss Mirabell, wo sie aus allen Nähten platzte, in die Neue Mitte Lehen an der Schumacherstraße 14. Der Umzug brachte eine Einrichtung mit stadtweiter Anziehungskraft in einen Stadtteil, der zuvor kaum überregionale Ziele hatte.
Das Areal hat eine Vorgeschichte: Hier stand das ehemalige Austria-Stadion. Aus dem Bereich der früheren Osttribüne wurde ein Seniorenzentrum mit Veranstaltungssaal, fertiggestellt im November 2008 - mit einer Begegnungsstätte von rund 400 Quadratmetern und einem Saal von 310 Quadratmetern. Dazu kamen 48 Mietwohnungen und ein Sozialprojekt der Diakonie.
Die Kosten dokumentiert die Stadt offen: 8,7 Millionen Euro für das Bibliotheksgebäude, weitere 1,4 Millionen für Innenausstattung und EDV, 2,9 Millionen für den Kauf des Seniorenzentrums samt 450.000 Euro Ausstattung. Allein diese Posten summieren sich auf gut 13,4 Millionen Euro.
Die Dimensionen sprechen für sich:
- 5.000 Quadratmeter Nutzfläche
- über 188.000 Medien physisch und digital, darunter 54.974 Sachbücher, 27.202 Bände Belletristik und 24.960 Kinder- und Jugendbücher
- 31 Mitarbeitende und zwei Lehrlinge
- in den ersten 15 Jahren über 4.000 Veranstaltungen mit rund 110.000 Teilnehmenden
Geöffnet ist montags, donnerstags und freitags von 10 bis 18 Uhr, dienstags und mittwochs von 15 bis 19 Uhr sowie samstags von 10 bis 15 Uhr. Dazu kommt die Open Library: Mit gültiger Karte ist der Zugang täglich von 6.30 bis 22 Uhr möglich, also weit über die betreuten Zeiten hinaus. Der Aufenthalt vor Ort ist kostenlos, nur das Entlehnen erfordert eine Mitgliedschaft. Details stehen auf der Seite der Stadt:Bibliothek, erreichbar unter +43 662 8072 2450.
Was sonst noch am Stadtteil gearbeitet wurde
Stadtwerk und Bibliothek sind die sichtbarsten, aber nicht die einzigen Projekte. Die Stadt nennt im selben Zusammenhang die Sanierung der Wohnbauten im Strubergassen-Quartier sowie das Kraftwerk Lehen zur Erzeugung erneuerbaren Stroms.
Zusammen ergibt das ein Muster, das für Salzburg untypisch ist: Während in der Altstadt der Denkmalschutz jede Veränderung bremst und die Randlagen von Einfamilienhäusern geprägt sind, wurde in Lehen über zwei Jahrzehnte umgebaut, nachverdichtet und neu genutzt.
Wohnen in Lehen
Für Wohnungssuchende ist der Stadtteil aus zwei Gründen relevant. Erstens ist er einer der wenigen Bereiche mit nennenswertem Geschoßwohnungsbau, also mit einem Angebot jenseits von Eigentumshäusern. Zweitens liegt er verkehrsgünstig - die Innenstadt ist zu Fuß und mit den Öffis rasch erreichbar; die Tarife stehen im Überblick zu Obus, Bus und S-Bahn in Salzburg.
Preisangaben je Stadtteil veröffentlicht keine amtliche Stelle. Was sich belegen lässt, sind die Werte auf Landesebene und der gesetzliche Richtwert bei Mieten - beides steht in den Übersichten zu Immobilienpreisen und zum Wohnungsmarkt in Salzburg. Von Portalzahlen für einzelne Stadtteile ist abzuraten: Sie beruhen auf Angebotspreisen und schwanken je nach Anbieter erheblich.
Die Nebenwohnsitzquote gibt einen zusätzlichen Hinweis auf die Struktur: Auf 100 Hauptwohnsitze kommen in Lehen-Nord acht und in Lehen-Süd neun Nebenwohnsitze - deutlich unter dem Stadtschnitt von zwölf und weit unter den Altstadtbezirken mit 29 und 31. Lehen ist also ein Stadtteil zum tatsächlichen Wohnen, nicht für Zweitwohnsitze.
Stand August 2026. Bevölkerungszahlen nach der Tabelle des Stadtarchivs zum Stichtag 1.1.2026, Angaben zu Stadtwerk Lehen, Neue Mitte und Stadt:Bibliothek nach Darstellungen der Stadt Salzburg. Die Quoten je 100 Hauptwohnsitze sind aus den amtlichen Zahlen gerechnet.