Veranstaltungsorte in Salzburg: Von der Arena bis zum Fels
Für das Große Festspielhaus wurden 55.000 Kubikmeter Fels gesprengt, die Felsenreitschule war ein Steinbruch, und die größte Halle der Stadt fasst 5.900 Personen. Welcher Ort welche Größe hat.
Die Größenordnungen
Salzburg hat für eine Stadt dieser Größe ein ungewöhnlich breites Spektrum an Veranstaltungsorten - von der 60-Plätze-Bühne bis zur Halle für 5.900 Personen. Wer eine Karte kauft oder eine Veranstaltung plant, sollte die Abstufungen kennen, weil sie sich stark unterscheiden: in der Lage, in der Anfahrt und darin, ob Publikum sitzt oder steht.
Grob sortiert nach Kapazität steht ganz oben die Salzburgarena am Stadtrand, gefolgt vom Großen Festspielhaus in der Altstadt. Darunter liegt eine mittlere Klasse aus Landestheater, Rockhouse und ARGEkultur, und ganz unten stehen die kleinen Bühnen der freien Szene.
Der Festspielbezirk
Drei Häuser bilden gemeinsam mit dem 200 Meter entfernten Domplatz und der Kollegienkirche den Festspielbezirk. Das Gelände hat eine lange Vorgeschichte: 1606/07 ließ Erzbischof Wolf Dietrich hier Stallungen errichten, 1662 kam eine Winterreitschule dazu, im 19. Jahrhundert diente der Komplex als Kavalleriekaserne. Ab 1925 wurde er schrittweise für die Festspiele geöffnet.
Großes Festspielhaus
Die Pläne gehen auf den Architekten Clemens Holzmeister zurück; Herbert von Karajan brachte Anregungen zur Konzeption des Theatersaales ein. Der Aufwand war beträchtlich: Zwischen Herbst 1956 und Frühsommer 1960 wurden 55.000 Kubikmeter Fels gesprengt, um zwischen die dreihundert Jahre alte Fassade des Hofmarstalles und den Mönchsberg ein Opernhaus einzupassen. Finanziert wurde der Bau überwiegend aus dem Bundesbudget - Eigentümerin ist deshalb die Republik Österreich.
Eröffnet wurde am 26. Juli 1960 mit Richard Strauss' "Rosenkavalier" unter Karajan. Der Zuschauerraum ist nahezu quadratisch mit rund 35 Metern Seitenlänge und fasst 2.179 Sitzplätze. Ein paar technische Kennzahlen aus der Hausbeschreibung der Festspiele:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Bühnenbreite | 100 Meter |
| Bühnentiefe | 25 Meter |
| Portalbreite / -höhe | 30 / 9 Meter |
| Eiserner Vorhang | 34 Tonnen, in der Mitte ein Meter stark |
| Hubpodien | fünf, je 18 x 3 Meter, Tragfähigkeit je 20 Tonnen |
| Scheinwerfer im Gerätepark | 2.000 |
Beim Innenausbau wurde auf heimisches Material gesetzt: Die Stahlbetonsäulen im Eingangsfoyer sind mit dem Konglomerat verkleidet, das beim Abtragen der Mönchsbergwand anfiel, der Boden besteht aus Adneter Marmor. Adresse: Hofstallgasse 1.
Haus für Mozart
Das zweite Haus hat die kompliziertere Geschichte. 1925 entstand auf dem Terrain der Großen Winterreitschule nach nur viermonatiger Bauzeit ein provisorisches Festspielhaus. Es folgten Umbauten 1926 und 1927 durch Holzmeister - ab da waren Opern möglich, 1927 kam Beethovens "Fidelio" als erstes Musiktheaterwerk. 1937 wurde der Zuschauerraum um 180 Grad gedreht, wofür Landeshauptmann Franz Rehrl sein eigenes Geburtshaus im Toscaninihof abreißen ließ.
Zwischen September 2003 und 2006 baute das Architektenteam Holzbauer & Valentiny das bisherige Kleine Festspielhaus in drei Phasen um: Der Zuschauerraum wurde verbreitert, verkürzt und abgesenkt, zwei neue Ränge reichen auf beiden Seiten bis zur Bühne. Eröffnet wurde am 26. Juli 2006 mit "Le nozze di Figaro" in der Regie von Claus Guth unter Nikolaus Harnoncourt.
Ein Detail zur Kunstgeschichte des Hauses: Die Fresken, die Anton Faistauer 1926 für das Foyer schuf, wurden nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten entfernt und teils mutwillig zerstört. Erst 1956 kamen sie zurück, zum Umbau 2006 wurden sie grundlegend restauriert.
Felsenreitschule
Der ungewöhnlichste Saal der Stadt war ursprünglich gar keiner. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts brach man hier Konglomerat für den Dombau. 1693 ließ Erzbischof Johann Ernst Thun nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach 96 dreigeschossig übereinander liegende Arkaden in die Wände des aufgelassenen Steinbruchs schlagen - als Zuschauerränge für Reitvorführungen und Tierkämpfe.
Max Reinhardt nutzte den Ort 1926 erstmals für die Festspiele, mit Goldonis "Diener zweier Herren": Pawlatschenbühne, gestampfter Erdboden, Holzbänke fürs Publikum. Die erste Oper folgte 1948 unter Karajan mit Glucks "Orfeo ed Euridice".
Seit Juni 2011 hat die Felsenreitschule ein neues Dach, und dessen Mechanik ist der praktische Kern des Ganzen: Das leicht geneigte Pultdach besteht aus drei mobilen Segmenten auf fünf Teleskoparmen und lässt sich innerhalb von sechs Minuten ein- und ausfahren. Neu eröffnet wurde am 9. Juni 2011 mit einem Festkonzert.
Domplatz
Die vierte große Spielstätte hat kein Dach. Der Domplatz zwischen Residenz und Stift St. Peter trägt eine Zuschauertribüne für 2.544 Sitzplätze; im mobilen Spielpodest sind mehrere Personenversenkungen und Auftrittsklappen eingebaut. Die Durchgänge links und rechts der Domfassade dienen für Auf- und Abgänge, das Flachdach über den Dombögen für Rufer und Bläser.
Max Reinhardt nutzte hier ein Element, das kein Innenraum bietet: Er überließ die Lichtregie der Sonne. Das Spiel begann um 17 oder 17.30 Uhr, wenn der Großteil des Platzes noch hell lag; beim Auftritt des Todes wurden die Schatten lang, und als der Teufel kam, war das Sonnenlicht weg. Bei Schlechtwetter weicht der Jedermann ins Große Festspielhaus aus.
Für die Anreise gilt eine Regelung, die dem Modell der Salzburgarena ähnelt, aber weiter reicht: Die Festspielkarte gilt von 17. Juli bis 30. August 2026 als Fahrschein auf sämtlichen Bus- und Bahnlinien des Salzburger Verkehrsverbunds im gesamten Bundesland - jeweils sechs Stunden vor Veranstaltungsbeginn bis Betriebsende. Die nächste Haltestelle ist Herbert-von-Karajan-Platz mit den Linien 1, 8, 10, A, 22 und 23.
Die Festspiele bespielen darüber hinaus je nach Jahr weitere Orte, darunter die Stiftskirche St. Peter, die Franziskanerkirche, die Große Universitätsaula, die Edmundsburg, die SZENE Salzburg und das Universität Mozarteum am Kurgarten. In Großem Festspielhaus, Haus für Mozart und Felsenreitschule gibt es Induktionsschleifen für Hörgeräte.
Messezentrum und Salzburgarena
Am nordöstlichen Stadtrand liegt der größte multifunktionale Veranstaltungsort Salzburgs. Die Zahlen aus der Basisinformation des Messezentrums:
- 10 Hallen und 21 Seminar- und Tagungsräume, dazu ein Openair-Gelände
- 40.000 m² Indoor-Fläche, 65.000 m² Outdoor-Fläche
- 3.000 Parkplätze, zehn Autominuten zu Flughafen und Hauptbahnhof
- komplett rauchfrei, barrierefrei, 5G-Indoor-Campus
Die Salzburgarena auf demselben Gelände fasst bis zu 5.900 Personen und hat seit ihrer Eröffnung nach eigener Zählung über 1.380.000 Besucher und rund 1.750 Stars gesehen. Die Bestuhlung ist variabel, was die tatsächliche Platzzahl deutlich verschiebt:
| Variante | Sitzplätze gesamt | davon Parterre |
|---|---|---|
| bis 1.800 Personen | 1.912 | 528 |
| bis 2.500 Personen | 2.636 | 853 |
| bis 3.500 Personen | 3.468 | 1.348 |
Praktisch relevant ist eine Regelung, die man leicht übersieht: Mit dem Eventticket ist die Fahrt mit dem Obus zum Messezentrum bei Veranstaltungen in der Salzburgarena kostenlos. Wer also ohnehin ein Ticket hat, braucht keinen Parkplatz zu suchen; die Tarife für alle anderen Fahrten stehen im Überblick zu Obus, Bus und S-Bahn.
Die Arena ist über einen Indoor-Zugang mit der Multifunktionshalle 10 verbunden - deshalb lassen sich dort Konzert und Ausstellung, Sportevent und Messe kombinieren, ohne dass Publikum nach draußen muss.
Salzburg Congress
Das Kongresshaus am Rand des Mirabellgartens, Auerspergstraße 6, wurde 2001 eröffnet und hat sich vor allem als Ort für internationale Medizin- und Wissenschaftskongresse etabliert. Es bietet bis zu 15 Konferenz- und Tagungsräume unterschiedlicher Größe, dazu Mietbüros und Besprechungszimmer.
Zwei Punkte heben es von anderen Häusern ab: Es ist nach eigenen Angaben zu 100 Prozent barrierefrei und mit sechs Liftanlagen - darunter drei Panoramalifte - sowie vier Rolltreppen erschlossen. Und es verzichtet bewusst auf Eigenbranding, damit Veranstalter das Haus optisch für sich nutzen können.
Zwei besondere Orte
Kavernen 1595
Im Mönchsberg liegen rund 1.000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche in Räumen, die seit 1595 bestehen. Der ehemalige Weinkeller der Erzbischöfe diente später als erstes Bierlager der Stieglbrauerei; heute sind die Kavernen mit Sicherheits- und Lüftungstechnik ausgestattet und werden für Theateraufführungen, Firmenpräsentationen, Hochzeiten und Großveranstaltungen genutzt.
Bemerkenswert ist die Erschließung: Erreichbar sind die Kavernen über die Gstättengasse, über den Mönchsbergaufzug und direkt aus den Mönchsberggaragen - trockenen Fußes und barrierefrei, was in der Altstadt selten ist.
Panzerhalle
Im Stadtteil Maxglan wurde das Gelände der ehemaligen Struberkaserne revitalisiert. Die Panzerhalle beherbergt heute Unternehmen, zwei Coworking-Spaces mit zusammen über 600 Arbeitsplätzen, Lofts und Veranstaltungshallen. Herzstück ist die Markthalle, geöffnet Montag bis Freitag von 7 bis 18 Uhr und Samstag von 7 bis 12 Uhr; die einzelnen Marktstände haben teils eigene Zeiten.
Die mittleren Häuser
Zwischen den Großveranstaltungsorten und den kleinen Bühnen liegen die Häuser, die den Alltag der Stadt tragen. Sie haben eigene Beiträge:
- Salzburger Landestheater - 707 Sitzplätze, rund 400 Vorstellungen im Jahr.
- Rockhouse - Konzertsaal im Gewölbe plus Bar für kleinere Auftritte.
- ARGEkultur - Saal für 450 Stehplätze, bis zu 350 Veranstaltungen im Jahr.
- Szene Salzburg - auch Spielstätte der Festspiele.
Wer nach Bühnen der freien Szene sucht, findet die kleineren Häuser im Überblick zu Theater in Salzburg; Konzertsäle und Clubs stehen bei der Salzburger Musikszene.
Stand August 2026. Alle Angaben nach den Websites der Salzburger Festspiele, des Messezentrums Salzburg, der Salzburgarena, von Salzburg Congress, Kavernen 1595 und Panzerhalle. Kapazitäten hängen von der Bestuhlung ab - für konkrete Planungen direkt beim Haus anfragen.