SALZBURG JOURNAL

Mozart und Salzburg

26 Jahre in der Getreidegasse, sieben Jahre am Makartplatz, 450 Gulden Jahresgehalt als Hoforganist - und ein Fußtritt in Wien, der die Verbindung 1781 beendete. Die Orte, an denen Mozart in Salzburg gelebt und gearbeitet hat.

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Mozart und Salzburg

26 Jahre Getreidegasse 9

Am Abend des 27. Jänner 1756 kam im dritten Obergeschoss eines Bürgerhauses in der Getreidegasse das siebte und letzte Kind des Salzburger Hofmusikers Leopold Mozart und seiner Frau Anna Maria, geborene Pertl, zur Welt. Von den sieben Kindern erreichten nur zwei das Erwachsenenalter: Wolfgang und seine fünf Jahre ältere Schwester Maria Anna, in der Familie Nannerl genannt (1751 bis 1829). Getauft wurde der Bub am Tag darauf im Dom, auf die Namen Johannes Chrysostomus Wolfgang Theophilus; den Taufeintrag des Dompfarramts vom 28. Jänner 1756 führt die Digitale Mozart-Edition in ihrem Bestand an Briefen und Aufzeichnungen.

Die Wohnung hatte 130 Quadratmeter, und die Familie blieb 26 Jahre darin. Vermieter war der Salzburger Kaufmann Johann Lorenz Hagenauer (1712 bis 1792), der den Mozarts das Haus von 1747 bis 1773 überließ und ihr Freund wurde. Diese Freundschaft ist der Grund, warum wir über die Kindheit so viel wissen: Als Leopold ab 1762 mit den beiden Kindern durch Europa reiste, schrieb er seine ausführlichsten Berichte nicht an Verwandte, sondern an den Hausherrn daheim. 72 Briefe Leopold Mozarts an Lorenz Hagenauer sind in der Edition der Stiftung Mozarteum verzeichnet - Reiseberichte, Abrechnungen, Krankheitsnachrichten, alles aus dem Alltag einer Familie unterwegs.

Die große Reise, die daraus entstand, dauerte von Juni 1763 bis Dezember 1766 und führte die Familie unter anderem nach Paris, London und Den Haag, dazu durch Deutschland und die Schweiz. Wolfgang war beim Aufbruch sieben, bei der Rückkehr zehn Jahre alt und spielte am Ende zunehmend eigene Kompositionen.

Das Haus in der Getreidegasse 9 ist seit 1880 Museum, gegründet von der Internationalen Stiftung Mozarteum, die es bis heute betreibt. Ausgestellt sind unter anderem Mozarts Hammerklavier und seine Konzertgeige. Zu Öffnungszeiten und Eintritt steht das Nötige in der Übersicht zu den Sehenswürdigkeiten in Salzburg; das Haus ist nicht barrierefrei zugänglich, und ein Besuch dauert nach Angabe der Stiftung Mozarteum etwa eine Stunde.

1773: über die Salzach ins Tanzmeisterhaus

Im Herbst 1773 zog die Familie aus der engen Altstadtwohnung auf die andere Salzachseite, an den damaligen Hannibalplatz, der heute Makartplatz heißt. Das Haus trug schon Anfang des 18. Jahrhunderts den Namen Tanzmeisterhaus, weil dort Tanzunterricht für den Adel gegeben wurde. Die neue Wohnung im zweiten Stock hatte acht Zimmer - für Salzburger Verhältnisse ein deutlicher gesellschaftlicher Aufstieg, den Leopold Mozart mit seinem Rang am Hof begründen konnte: Er war 1743 in die Hofmusikkapelle eingetreten, wurde 1758 zweiter Violinist und 1763 Vizekapellmeister.

Wolfgang wohnte hier bis Ende 1780, dann ging er nach München zur Uraufführung des "Idomeneo" und von dort nach Wien. Nach Salzburg zurück kehrte er nur noch als Gast.

Vom historischen Bau steht heute nur ein Teil. Im Oktober 1944 zerstörte ein Bombentreffer einen Gebäudeteil; wieder aufgebaut wurde das Haus nach den alten Plänen und 1996 als Museum eröffnet. Im Hof des Mozart-Wohnhauses steht seither das Zauberflötenhäuschen, jenes Gartenhaus aus der Nähe des Wiener Freihaustheaters, das die Stiftung Mozarteum 1873 übernommen hatte. Es hat in Salzburg mehrfach den Standort gewechselt - eine Station davon war das Plateau des Kapuzinerbergs, wo die dazugehörige Bronzebüste bis heute steht.

450 Gulden im Jahr: der Dienst am Hof

Wie Mozarts Anstellung in Salzburg zustande kam, lässt sich an einem einzelnen Dokument ablesen. Am 22. Dezember 1777 starb der Salzburger Hoforganist Anton Cajetan Adlgasser (1729 bis 1777), ein Komponist, mit dessen Familie die Mozarts eng verbunden waren - Leopold war bei zwei seiner drei Hochzeiten Trauzeuge. Die Stelle wurde frei, und im Jänner 1779 richtete Wolfgang ein Bittgesuch an den Fürsterzbischof, "um gnädigste Anstellung per Dekret". Das Schreiben ist erhalten; die Handschrift stammt vollständig von Leopold, unterschrieben hat Wolfgang.

Auf demselben Blatt ist die Antwort vermerkt: Anstellung als Hoforganist für 450 Gulden im Jahr. Das Original ist über die Briefe und Aufzeichnungen der Digitalen Mozart-Edition zugänglich, einem gemeinsamen Projekt der Stiftung Mozarteum und des Packard Humanities Institute.

Der Dienstherr war Hieronymus Joseph Franz de Paula Graf Colloredo (1732 bis 1812), seit 1772 Fürsterzbischof von Salzburg. Er war Dienstherr von Vater und Sohn, entließ beide zeitweise und stellte Leopold später wieder ein; Wolfgang stand in zwei getrennten Abschnitten in seinen Diensten. Wie sehr sich Colloredos Amtsführung von der seines Vorgängers unterschied, lässt sich noch heute in der Residenz ablesen: Er ließ die Prunkräume klassizistisch in Weiß und Gold fassen und die älteren Kachelöfen ersetzen - nachzusehen im Rundgang durch das DomQuartier, wo Mozart als Kind im Konferenzzimmer sein erstes Konzert gab.

Der Bruch von 1781

Der Konflikt eskalierte nicht in Salzburg, sondern in Wien. Colloredo hielt sich im Frühjahr 1781 dort auf und hatte seine Musiker mitgenommen. Am 8. April 1781 fand ein Konzert des Erzbischofs statt, für das Mozart eine Sonate, ein Rondo und eine ganze Stunde Variationen über ein vom Erzbischof gestelltes Thema spielte.

Am 28. April 1781 schrieb er seinem Vater aus Wien, er habe die Geduld am Ende; er wolle zur Fastenzeit wieder nach Wien reisen, und das hänge allein vom Vater ab, nicht vom Erzbischof - "denn wenn er es nicht erlaubt, gehe ich trotzdem". Der eigentliche Bruch folgte sechs Wochen später. Im Brief vom 13. Juni 1781 beschreibt Mozart, wie ihn der Erzbischof vor allen anderen abkanzelte und ihm sagte, er könne hundert bekommen, die ihm besser dienten; Anlass war eine Differenz von zwei Tagen bei der Abreise. Und er schildert, wie ihn Colloredos Oberstküchenmeister Karl Joseph Felix Graf Arco (1743 bis 1830), statt sein Entlassungsgesuch anzunehmen, zur Tür hinauswarf und ihm einen Fußtritt gab.

Mozart zog daraus den Schluss, den er im selben Brief formulierte: Salzburg sei nichts mehr für ihn. Er blieb in Wien, heiratete 1782 im Stephansdom Constanze Weber (1762 bis 1842) und starb dort am 5. Dezember 1791 mit 35 Jahren. Begraben wurde er in einem Grab dritter Klasse auf dem Friedhof St. Marx - nicht aus Armut, sondern weil das der üblichen Bestattungsform seines Standes entsprach.

Wo die Familie liegt

Mozarts eigenes Grab ist in Wien und nicht mehr auffindbar. Seine engsten Angehörigen liegen dagegen in Salzburg, und zwar auf zwei verschiedenen Friedhöfen - was Besucherinnen und Besucher regelmäßig in die falsche Richtung schickt.

Im Friedhof St. Sebastian an der Linzer Gasse liegen Leopold Mozart (1719 bis 1787) und Constanze, Mozarts Witwe, gemeinsam mit ihrem zweiten Mann Georg Nikolaus von Nissen. Die Anlage entstand um 1600 als Nachfolgerin des aufgelassenen mittelalterlichen Domfriedhofs, ist denkmalgeschützt und gehört der Stadt Salzburg, die Kirche, Friedhof und das Wolf-Dietrich-Mausoleum baulich erhält. Seit 2014 sind dort nur noch Urnenbeisetzungen möglich. Geöffnet ist von April bis Oktober 9 bis 18 Uhr, von November bis März 9 bis 16 Uhr; die Angaben führt die Friedhofsverwaltung der Stadt Salzburg.

Nannerl dagegen liegt im Petersfriedhof in der Altstadt, unter ihrem Ehenamen Maria Anna von Berchtold zu Sonnenburg, in einer Gruft. In derselben Anlage sind auch Michael Haydn - er wirkte von 1763 bis zu seinem Tod 1806 in Salzburg und war mit St. Peter eng verbunden -, Dombaumeister Santino Solari und mehrere Mitglieder der Familie Hagenauer bestattet, also der Vermieter aus der Getreidegasse. Die Liste der Gräber führt die Erzabtei St. Peter. Wer den Friedhof ansehen will, findet die praktischen Hinweise bei der Stiftskirche St. Peter.

Der Mozartplatz wird gerade umgebaut

Der zentrale Erinnerungsort in der Stadt ist der Mozartplatz mit dem Denkmal des Münchner Bildhauers Ludwig Michael Schwanthaler. Die Bronzefigur wurde von Johann Baptist Stiglmayr gegossen und 1842 enthüllt - also 51 Jahre nach Mozarts Tod und ein Jahr nach der Gründung jenes Dom-Musik-Vereins, aus dem die heutigen Mozart-Institutionen hervorgingen. 2005 wurde die Figur restauriert, nachdem das Bundesdenkmalamt Lochfraß am Metall festgestellt hatte; die Kosten von rund 45.000 Euro teilten sich Salzburger Sparkasse, Denkmalamt und Stadt.

Seit 13. April 2026 wird der Platz selbst umgebaut. Vorgesehen sind eine durchgehende Granitpflasterung, sechs neue Bäume mit Sitzplätzen im Schatten, eine Neuinterpretation des Michaelsbrunnens, barrierefreie Wege mit taktilem Leitsystem und drei Behindertenparkplätze, sonst keine Stellplätze. Die Arbeiten laufen mit Winterpausen bis Sommer 2028, veranschlagt sind rund 7,03 Millionen Euro brutto. Den Zeitplan samt Fundberichten aus der Grabung führt die Stadt Salzburg. Wer den Mozartplatz in den kommenden zwei Sommern als Fotomotiv einplant, sollte das wissen.

Gleich um die Ecke wurde bereits fertig gebaut: Der Waagplatz, autofrei und neu gepflastert, ging im Sommer 2025 in Betrieb, der Bronze-Trinkbrunnen dort läuft seit 3. Juli 2025. An diesem Platz steht das Geburtshaus Georg Trakls - zwei Salzburger Geburtshäuser also, wenige Gehminuten voneinander entfernt.

Was Mozarts Name in Salzburg heute trägt

Der Name ist in der Stadt so präsent, dass er leicht zu Verwechslungen führt. Drei Einrichtungen tragen ihn, und keine ist Teil der anderen: die Stiftung Mozarteum Salzburg als Konzertveranstalterin, Museumsträgerin und Forschungseinrichtung, die Universität Mozarteum als Kunstuniversität am Mirabellplatz und das Mozarteumorchester. Wie sie zusammenhängen und wo die Grenzen verlaufen, steht im Überblick zur Musikszene in Salzburg; das Studienangebot der Kunstuniversität behandelt der Beitrag zur Universität Mozarteum.

Der wissenschaftliche Nachlass sitzt ebenfalls in Salzburg. Die Bibliotheca Mozartiana der Stiftung umfasst rund 35.000 Titel Literatur und über 6.000 Musikalien, die Digitale Mozart-Edition stellt das Gesamtwerk samt Briefen, Libretti und Köchel-Verzeichnis weltweit kostenfrei online. Wer die Quellen dieses Beitrags selbst nachlesen will, findet die Briefe dort im Volltext.

Und dann ist da noch die Praline. Die Mozartkugel stammt aus Salzburg, wird bis heute von drei Häusern in der Stadt handgeschöpft und hat mit dem Komponisten nichts zu tun außer dem Namen - wer die Unterschiede zwischen den Rezepten wissen will, findet sie bei den Konditoreien in Salzburg.

Stand August 2026. Lebensdaten, Wohnadressen und Dienstverhältnisse nach den Angaben der Internationalen Stiftung Mozarteum und der Digitalen Mozart-Edition; Friedhofsangaben nach Stadt Salzburg und Erzabtei St. Peter; Bauzeitplan und Kosten für den Mozartplatz nach der Stadt Salzburg. Die Bauarbeiten am Mozartplatz laufen bis Sommer 2028, Zeitplan und Sperren ändern sich.

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